009 MORGENPOST – Landshut, Metropolregion München

Immer wieder taucht in Gesprächen der Begriff auf, dass Landshut zur Metropolregion München gehört.

Die Mitglieder der Landshuter Mitte Fraktion, Dr. Maria Fick, Claudia Zehentbauer, Prof. Dr. Thomas Küffner, Hans-Peter Summer und Tilman v. Kuepach, wollten es genauer wissen.

Die Europäische Union hat mit dem Jahr 1995, später 2oo5, europäische Metropolregionen definiert. Aktuell gibt es elf derartige Bereiche in Deutschland. Diese sind aber nicht nach raumstrukturellen Realitäten, sondern normativ festgelegt und abgegrenzt, wobei vor allem die Großzügigkeit der Abgrenzung erhebliche methodische Unterschiede aufweist. Manche Regionen, beispielsweise um Berlin, haben das gesamte Bundesland Brandenburg in die Metropolregion integriert, so dass sehr große ländliche Gebiete und weit auseinanderliegende Kernstädte eine Region bilden sollen. Die Idee derartige Regionen zu bilden, ist der Betrachtung geschuldet, dass die meisten anderen Länder die Einwohnerzahlen ihrer Städte sehr großzügig darstellen. Die Riesengroßstädte in China sind also nicht der reine Stadtraum, sondern der komplette Bereich der Metropolregion. In Europa sind die Dimensionen natürlich viel kleiner. Die größte Metropolregion stellt Moskau mit rund 15 Mio. Einwohner, knapp gefolgt von Istanbul und London dar. Paris und die Rhein-Ruhr-Region haben etwa 11 Mio. Einwohner. München ist natürlich viel kleiner mit rund 4 Mio. Einwohnern. Das Gebiet umfasst ganz Oberbayern, das östliche Schwaben mit Augsburg und vom Regierungsbezirk Niederbayern die Stadt und den Landkreis Landshut sowie den Landkreis Dingolfing-Landau. Zu einer derartigen Metropolregion zu gehören, ist durchaus ehrenvoll und hat pekuniären Wert. Der Austausch von Wissen und Informationen ist ohne große Probleme möglich, da eine sehr gute Erreichbarkeit gegeben ist. Indikatoren sind internationale Flughäfen, Verkehrsknotenpunkte, Standpunkt von Internetknoten, Messen usw. Definiert ist eine Metropolregion als der Motor gesellschaftlicher, kultureller und technologischer Entwicklung. Dies zeichnet sich auch durch eine hohe Anzahl von Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen aus. Auch kulturelle Großveranstaltungen können ausgerichtet werden, da die nötigen Infrastrukturen wie z. B. Theater oder Stadien, vorhanden sind.

Hört ein entsprechend Suchender, dass Landshut Teil der Metropolregion München ist, kann er die Messe Landshut besseren Gewissens buchen als wäre dies ein Standort im benachbarten Kelheim, Straubing oder Deggendorf.

Nun wird regelmäßig die politische Forderung erhoben, dass auch Landshut sich noch näher an die Metropolregion bindet und beantragt Aufnahme zum Münchner Verkehrsverbund (MVV) zu suchen. Bestrebungen in Dingolfing den MVV bis dorthin auszuweiten, gibt es seit Jahren.

Wir haben in diesem Zusammenhang ein paar Recherchen angestellt. Richtig ist, dass viele Bewohner des westlichen Landkreises, die nach München pendeln, nicht mehr den vielleicht näher gelegenen Hauptbahnhof Landshut aufsuchen, sondern nach Moosburg fahren, weil Moosburg im Landkreis Freising, im MVV-Gebiet liegt, und eine Wochen- oder Monatskarte wesentlich günstiger ist als würde der Pendler in Landshut in den Zug einsteigen.

Nachteile gibt es aber auch, die abgewogen werden wollen.

Wenn man Mitglied des MVV ist, gelten auch die Tarife innerhalb der Stadt. So kostet eine Fahrt in Stadt Freising nach MVV-Tarif eine Zone mit 2,9o €, in Landshut 2,oo €. Will man einen Tag lang mit den Bussen in Freising fahren, muss man hierfür 6,7o € bezahlen, in Landshut kostet das nur 4,2o €. Den Vorteil sich innerhalb der Metropolregion auf weiten Strecken zu bewegen, stehen somit erhebliche Verteuerungen ent-gegen, wenn man die innerstädtischen Fahrbewegungen ansieht.

Die vollmundigen Versprechungen, dass der Verkehrsminister einem örtlichen Kreisvorsitzenden versichert habe, aufgrund der guten Verbindungen würde jetzt eine S-Bahn von Landshut nach München geplant, ist so falsch wie die dahinterstehende Idee ein alter Hut ist. Wer nach München fahren will, nutzt die schnellen Verbindungen, die nur wenige Haltestellen ansteuern. In gut 4o Minuten kann man von Landshut nach München mit dem Zug fahren, was der Konkurrent Auto selbst zu Nachtzeiten nicht mehr schafft. Würde man von einer Station zur nächsten geschaukelt werden (Gündlkofen, Bruckberg…) genötigt man für die Fahrt nach München 9o Minuten.

Viel wichtiger für den Landshuter Bürger ist es doch, dass man schnell und preiswert nach München kommt. Ob der MVV also bis einschließlich Landshut ausgebaut wird, bleibt mit seinen Nachteilen zu überlegen.

 Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Tilman v. Kuepach