MORGENPOST – Landshut im Mittelalter

Manchmal kommen einfach ein paar Dinge zusammen, die der Zufall wohl arrangiert haben muss, oder ein höheres Wesen?

Im letzten Bausenat wurde thematisiert, ob Landshut das Angebot der obersten Denkmalbehörde annehmen soll, ein „kommunales Denkmalkonzept“ anzustoßen oder nicht. Mit viel Verve hat der Vertreter der Behörde Herr Gerhard Ongyerth am Beispiel Freising dargestellt, dass es für Landshut vielleicht interessant wäre, eine Analyse der Denkmalwerte zu konzipieren. Nicht nur die Häuser an sich, sondern die historischen Wegebeziehungen, wären es vielleicht wert untersucht zu werden.

Nun hat Landshut die historische Innenstadt pauschal unter Ensembleschutz gestellt und überdies den Bereich der alten Stadt zum Sanierungsgebiet erklärt. Die Stadtverwaltung hat den Mitgliedern des Bausenates darstellen können, dass Daten über das mögliche Gebiet zuhauf vorhanden wären, so dass der Ausschuss das Angebot dankend ablehnte.

Am Wochenende hat Dr. Thomas Küffner, der ein Haus in der Neustadt erworben hat, das genau gegenüber der Börmergasse liegt, seine Ergebnisse zur Bodenarchäologie erhalten. Das Haus, so der Denkmalschutz, wäre nicht besonders schützenswert, es wäre beliebig zu einer Zeit entstanden aus der besser erhaltene Häuser vorhanden wären. Nun haben die Archäologen im noch weniger schützenswerten Rückgebäude eine doch große Sensation ergraben. In circa 3m Tiefe, dem ursprünglichen Niveau vor dem großen Stadtbrand fanden sich gigantische perfekt gemauerte Fundamente der Stadtmauer der ersten Stadterweiterung um den Bau der Neustadt. Die Mauer wurde vor 1342, dem dokumentierten großen Brand, in einer Dicke von rund 3m errichtet. Das zweischalige Mauerwerk wurde mit Ziegelbruch in der Mitte verfüllt und die Außenschale könnte noch teilweise zumindest noch vorhanden sein, denn auf ihr steht die Rückwand der Hintergebäudes. Die Stärke der Mauer in der exakten  Verlängerung der Börmergasse lässt nur den Schluss zu, dass hier ein Stadttor stand, dass die Stadt zum heutigen Regierungsplatz abschirmte. Dort wo die orthodox geweihte Seitenkapelle der Dominikanerkirche steht, war wohl seit Zeiten vor 1204 eine Kapelle, die den Weg isarabwärts über Niederaichbach einleitete.

Am gleichen Wochenende hat die Landshuter Mitte, die im Stadtrat mit Dr. Maria Fick, Claudia Zehentbauer, Dr. Thomas Küffner, Hans Peter Summer und Tilman v.Kuepach vertreten ist auch dem Kloster Seligenthal einen Besuch abgestattet. Schwester Maria Fidelis hat mit großer Leidenschaft das Kloster vorgestellt und vor allem die Afrakapelle erklärt. Diese Kapelle steht mit Sicherheit auch schon vor 1204 und war wohl eine Art Quarantänestation der Heilig Geist Brüder, die am anderen Isarufer eine Herberge für Pilger, Kaufleute und Sieche betrieben, als Raststation der großen europäischen Handelsroute von Venedig nach Regensburg. Ansteckend Kranke wurden über die Isar zur Dependance mit der Afrakapelle gebracht.

Landshut hat, wie wir in einer früheren Morgenpost geschrieben haben, wohl vor 1204 eine Geschichte gehabt. Betrachtet man die Zyklopenmauer, die im Untergrung sichtbar gemacht wurde, kann Landshut sich damals mit Städten von europäischem Ruf, wie Prag oder Regensburg durchaus vergleichen.

Und das Interessante ist, dass die offizielle Geschichtsschreibung von der Stadtmauer an dieser Stelle keine Ahnung hat. Die rückwärtige Mauer, also der wahrscheinliche Abschluss der Stadt lässt sich auch noch an anderen Rückgebäuden der Neustadt in einer Flucht erkennen.

Vielleicht hat der Bausenat dem Denkmalkonzept zu früh eine Absage erteilt 

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche

Ihr   

Tilman v. Kuepach

Landshuter Mitte Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshutermitte.de