MORGENPOST – Landshut, als Slow City

Schon wieder so ein englischer Ausdruck, der aber nicht eins zu eins übersetzt werden kann, da „langsame Stadt“ nicht trifft, besser wohl der Ausdruck „entschleunigte Stadt“. Analog zum Begriff des „slow food“, der darauf anlegt, dass Essen, gut, sauber und fair sein müsse, sonst wäre es nicht „slow“, wird auch die Stadt mit solchen Attributen herausgehoben.

Letzte Woche war G7-Gipfel in Biarritz und natürlich haben Globalisierungs-gegner tüchtig demonstriert, nicht ganz so heftig und ganz so begeistert von eigener Wut, wie in Hamburg, aber doch merkbar. So sollen 13 000 französische Sicherheitskräfte aufgeboten worden sein. Gezählt worden sind um Biarritz herum in etwa gleich viele mehr oder minder friedliche und gewaltbereite Demonstranten.  Was treibt so viele Menschen an, gegen solche Treffen auf die Straße zu gehen? Kann mit guter Kommunalpolitik gegengesteuert werden?

Vor fast 20 Jahren hat sich in Italien die Gruppe von Kommunalpolitikern zusammengeschlossen um die Vereinigung „Cittàslow“ zu gründen. In den “Slow Citys” ist Globalisierungskritik nicht das verzweifelte Aufbäumen gegen ein abstraktes Konzept mit ein paar Spruchbändern beim G-7-Gipfel. Die Einwohner leben vor, dass eine Konzentration auf lokale Produkte und Industrie keine Einschränkung, sondern ein Gewinn ist. Dass dabei kein Gefühl von Askese und Verzicht aufkommt, dafür sorgen Weinfeste und ausschweifende Festgelage auf Bauernhöfen.

Eine “Slow City” versucht, die Ortsstrukturen etwa aus dem Mittelalter oder der Renaissance zu erhalten, jedoch gleichzeitig modernste wissenschaftliche Erkenntnisse der Ökologie und Nachhaltigkeitsforschung einzubeziehen. Auch für die Umsetzung und Reglementierung ist moderne Technik erlaubt .– Orvieto erhofft sich elektronisch kontrollierte Zufahrten, damit nur Anwohner eine Erlaubnis zur Durchfahrt bekommen. In Pisa und auch in Sibiu/Hermannstadt gibt es ein solches System bereits. Wer von der automatischen Kamera erfasst wurde, muss fünf Euro Parkgebühren oder wenn er diese Gebühr nicht berappt, eine erhebliche höhere Strafe zahlen, egal ob er eine Minute oder 24 Stunden bleibt.

Der ehemalige Bürgermeister der italienischen Stadt Orvieto, der auch die Idee zur Cittàslow hatte, ist da ganz radikal, so hat er sich diverse Redeschlachten mit Gastronomen geliefert, da sie noch immer Coca-Cola ausschenken, obwohl das sicher kein regionales Produkt ist. Ganz so weit, wollen wir, die Fraktion der Landshuter Mitte im Stadtrat, aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v. Kuepach nicht gehen, aber Teile der Idee einer entschleunigten Stadt wollen wir sehr wohl umsetzen. Es ist schlicht unverständlich, wieso gerade moderne Technik nicht eingesetzt wird, um den Verkehr in der Innenstadt zu lenken. So beschweren sich beispielsweise die Anwohner der Spiegelgasse seit Jahren, dass das Verkehrsschild „Durchfahrt verboten“, (VZ Nr 260, für Juristen), nur ein verzichtbares Schmuckstück in der Neustadt darstellt. An die Beschränkung hält sich niemand, dabei wäre es so leicht auch ohne aufwändige Kontrollen die Durchfahrtsberechtigten elektronisch zu hinterlegen um eine Sperre freizugeben.

Hersbruck war die erste bayerische Stadt, die sich dieser Bewegung angeschlossen hat. Was verändert wurde ist auf der Homepage der Stadt nachzulesen:

Zahlreiche Einzelprojekte hat die Stadt in den vergangenen Jahren verwirklicht. Die Gestaltung des öffentlichen Raums mit so genannten Ruheinseln, das Projekt Hersbrucker Miniköche oder die Umstellung der städtischen Busse auf Erdgasbetrieb sind nur einige Beispiele. Lokale Betriebe betreiben nachhaltige Wald- und Holzwirtschaft. Mit dem Hutangerprojekt des Naturschutzzentrums Wengleinpark besteht ein Bündnis zur Erhaltung einer naturnahen Kulturlandschaft.

Klar, dass Landshut von der Größe her nicht passt, vollständig zu einer „Slow City“ zu werden, aber einige wesentliche Merkmale der Entschleunigung werden Landshut gut tun, den Bürgern auch zu zeigen, dass Ihr Wohl den Kommunalpolitikern wichtig ist, wichtiger als allgemeine Werte, wie da sind „freie Fahrt für freie Bürger“, die sich andere Parteien auf ihr Panier geschrieben haben.

Die Landshuter Mitte bleibt dran.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte 
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer 
Neustadt 532-533
84028 Landshut
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