MORGENPOST – Landshut und der Einzelhandel

Im  September-Plenum des Landshuter Stadtrates hätten zwei Punkte diskutiert und abgestimmt werden sollen, die großen Einfluss auf die Einzelhandelsstruktur  unserer Stadt gehabt hätten, im Konjunktiv, da die Tagesordnungspunkte abgesetzt wurden.

Es geht darum, ob die Stadt im Industriegebiet Einzelhandel ausschließen soll (und kann), soweit ein innenstadtrelevantes Sortiment betroffen ist. Auf der anderen Seite will das Einkaufszentrum im Landshuter Westen mit dem euphemistischen Namen „ Landshut Park“ einen riesigen Sportartikelhändler zusätzlich errichten und auch einen Drogeriemarkt in das Sortiment einstellen.

Gleichgültig, ob am Freitag, oder irgendwann später, es wird also Zeit, sich wieder einmal um den Handel in der Innenstadt zu kümmern. Wir sind uns wohl alle einig, dass die historische Innenstadt der Magnet nach außen ist. Der Stadtrat hat deshalb im Jahre 2013 ein Sanierungsgebiet im Innenstadtbereich ausgewiesen. Hier wird auf die Bedeutung des Einzelhandels verwiesen z.B.auf S. 70/ Ziffer 6.2.1 Stärkung der Altstadt als Haupteinkaufslage von Landshut: “… ist für eine lebendige Innenstadt von großer Relevanz, den Einzelhandel als Leitfunktion in diesen integrierten Lagen zu erhalten“.

Sanierungsgebiet und Sanierungsziele sagen schon als Begriffe aus, dass es etwas im Argen liegt. Sanierung bedeutet, dass etwas repariert werden muss, sonst bräuchte man so etwas wohl nicht. Das zweite Dilemma liegt darin, dass der oben fein gesponnene Programmsatz lediglich eine Empfehlung ist und es somit mehr als fraglich ist, welche Rechtsverbindlichkeit davon ausgehen soll.

Seit Jahren findet in der Innenstadt eine schleichende Umgestaltung statt. Immer mehr Geschäfte hören auf und immer, mehr sagen wir mal, gastronomische Betriebe siedeln sich an, natürlich mit einer Außenbestuhlung, weil ohne die „Altstadt“ mitnutzen zu können, ein weiteres Café meist uninteressant ist. Es ist zwar auf der einen Seite schön in der Sonne zu sitzen und die flanierenden Besucher zu beobachten und gleichzeitig die Zeitung zu lesen und einen Kaffee zu genießen und vielleicht mit dem einen oder anderen Bekannten kurz zu ratschen, aber ohne Geschäfte und nur mit Gastronomie verwaist die Stadt ebenso.

Die Hausbesitzer sind auf der anderen Seite froh, wenigstens einen Mieter zu haben, wenn denn schon kein Laden sich mehr findet.

Und der Handel wird natürlich von einem weiteren Feind bedroht, der Internet heißt. Das Internet hat alles und das an 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Das Internet wird aber bleiben und ohne, dass sich unsere Händler hier mit online Plattformen beteiligen, wird der Handel weiter sterben.

Letzte Woche hatte ich folgendes Problem. Der Kopfhörer des Diktiergerätes ging zu Bruch. Bei dem berühmten amerikanischen Betrieb kostet ein Ersatz 30,-€ inkl. MwSt. bei garantiertem Versand mit Erhalt am nächsten Tag. Der örtliche Händler hatte das Teil nicht auf Lager, es würde 50,- € kosten und die MwSt. obendrauf. Er hoffe, dass der Kopfhörer in spätestens einer Woche geliefert werden könne. – Was hätten Sie getan? Warum nutzt der Fachhandel nicht selbst diese Plattformen, warum bietet er nicht an, für sagen wir einmal 40,- inkl. Anlieferung? Mein Buchhändler dagegen bringt mir jedes Buch am nächsten Tag frei Haus, wenn er es nicht lagernd hat.

Für den Landshut Park wurde eine Analyse gemacht, wonach der avisierte Sporthändler nur ca. 5% des Gesamtumsatzes verdrängte, das wäre für die betroffenen Einzelhändler in der Innenstadt unschädlich. Was ist aber, wenn dem örtlichen Einzelhandel schon das Wasser bis Oberkante Unterlippe steht und der Wegfall von weniger als 5% tödlich ist? Das ist egal, so die Forscher, das könne nicht gemessen werden.

Wir die Fraktion der Landshuter Mitte im Stadtrat, aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v. Kuepach werden uns weiter dafür einsetzen, dass nicht eine Verdrängung der örtlichen Einzelhändler zu Gunsten der Großstrukturen stattfindet. Auch muss in der Innenstadt ein Management von Leerständen offensiv erfolgen. Das kann nur ein Beauftragter in der Stadtverwaltung übernehmen.

Die Landshuter Mitte bleibt hier dran.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte 
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer 
Neustadt 532-533
84028 Landshut
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