MORGENPOST – Älterwerden in Landshut

Vor ein paar Tagen wurde mit viel Prominenz der 25.Geburtstag des Seniorenbeirates Landshut gefeiert.

Der Vorsitzende Franz Wölfl wies zunächst darauf hin, dass es Aufgabe seiner Organisation wäre, sich um die Belange älterer Menschen in der Stadt Landshut zu kümmern. Ein wenig schauderte ich, als das Eintrittsalter in dieses elitären Kreis hörte, der bei 60 Jahren liegt. Der Seniorenbeirat hat im Sozialausschuss Sitz und Stimme. Im Wesentlichen war Herr Wölfl auch mit der Arbeit in der Stadt um Senioren zufrieden, wenn gleich es um die Barrierefreiheit im Rathaus Altstadt noch nicht zum Besten bestellt wäre.

Gut, das und auch am Pflasterbelag der Altstadt zur vollständigen Nutzbarkeit durch Rollstuhlfahrer wird gearbeitet. Viel aufregender aber war, dass die Senioren ein Schutzgesetz des Bundes analog zum Jugendhilfegesetz einforderten. Aus der Position der Schwächeren gesehen, sollte der Staat Schutzvorschriften erlassen. So ganz, kann ich Parallelen zu Jugendlichen nicht erkennen. Jugendliche bis 18 Jahre dürfen nicht wählen, sie dürfen mit ihrem Geld nicht nach Belieben verfahren, keinen Autoführerschein machen usw. Ältere Mitbürger ab 60 Jahren stehen aber mitten im Leben, immer mehr Senioren suchen sich einen Nebenjob, nicht weil sie verarmt sind, sondern weil ihnen das Zuhausehocken viel zu langweilig ist. Ich kenne einen Bauleiter mit 75 Jahren, der gerade von den Jungen geliebt wird, weil dessen Wissen und dessen Souveränität auf der Baustelle seinesgleichen sucht. Viele Wissenschaftler sehen auch einen Rentenbeginn mit 70 als kein unwahrscheinliches Szenario der Zukunft an. Sollen ältere Menschen durch ein Seniorenhilfegesetz nachträglich  entmündigt werden?

Angesprochen wurde auch, dass viele Menschen im Alter einsam sind. Das stimmt sicher, die Kinder sind aus dem Haus und möglicherweise weit weg. Die Mobilität schwindet und viele alte Leute haben auch Angst vor dem Verkehr auf der Straße. Hier ist das Wirken des Seniorenbeirates, sich um die Einsamen der Stadt zu kümmern, ein echter Segen und wir die Fraktion der Landshuter Mitte im Stadtrat, aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v. Kuepach wollen diesen Ansatz auch politisch unterstützen.

Wir sehen ein viel größeres Problem in der Technisierung und Digitalisierung der Welt. Es ist ein Leben für Jüngere ohne Internet und den Folgeprodukten kaum mehr vorstellbar. Kommuniziert wird durch so viele verschiedene Medien, die sich selbst auch ständig revolutionieren. Eine Banküberweisung ist ohne Internet ohne Smartphone oder Generator nicht mehr möglich. Buchstaben- und Zahlenkombinationen, die fast nicht lesbar sind, müssen vom Nutzer eingegeben werden. O oder Q oder 0, was richtig ist, kann man nur erahnen. Allein mit der Schallgeschwindigkeit mit der solche Anforderungen an das normale Leben zur Notwendigkeit erklärt werden, können ältere Mitbürger nicht mitkommen. Wir fangen an, diese Menschen vom normalen Leben auszugrenzen und schämen uns nicht einmal dafür.

Verschiedene politische Akteure verlangen auch ein intensiveres Bemühen der Stadt um schnellere Digitalisierung der Stadtverwaltung. Auch das kann dann nicht akzeptabel sein, wenn nicht in gleicher Weise ein Besuch bei der Behörde möglich bleibt und ohne Wartezeiten.

Wir sehen ein weiteres Potential um ältere Mitbürger. Recht erfreulich haben in anderen Städten Programme zum Wohnungstausch Erfolge gehabt. Familien, die durch Nachwuchs größer wurden, haben mit Senioren Wohnungen getauscht, vermittelt durch eine Börse mit den Wohnbaugenossenschaften und der jeweiligen Stadt. Auch ältere Menschen profitieren davon, da kleinere Wohnungen weniger kosten und auch der Instandhaltungsaufwand entsprechend sinkt. Es gab sogar neue Wohngemeinschaften aus Alt und Jung. Menschen, die weder verwandt sind, noch sich kannten, haben sich zusammengetan. Die Älteren sind oft bereit auf die Kinder als Großelternersatz aufzupassen und die Jungen schleppen die Getränkekisten. Das Problem der Einsamkeit ist auch gelöst. Es darf kein Zwang ausgeübt werden, aber wir müssen in der Stadt Landshut an solche Angebote denken und sie in unsere politische Agenda übernehmen, dann wird es auch in Zukunft keine gegenseitige Ausgrenzung geben

Die Landshuter Mitte bleibt hier dran.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte 
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
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84028 Landshut
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