MORGENPOST – Brauereien in Landshut und was daraus wird

Irgendwie stimmt der Spruch, dass man sich immer ein zweites Mal trifft und auch ist richtig, dass alles zusammenhängt.

Im Sommer 2016 fand im Kloster Aldersbach die bayrische Landesausstellung unter dem Motto „Bier in Bayern“ statt. Die Ausstellung war nicht so der große Erfolg, aber das beste Stück war eine Schauvitrine mit Maßkrügen aus lauter Landshuter Brauereien. Sebaldbräu und Silbernaglbräu, Moserbräu und Firmerbräu, Geisenhausenerbräu, nur als Beispiele. Insgesamt hat es in Landshut Ende des 18. Jahrhundert, 37 Braustätten gegeben, die eben fast alle mit Krügen, alle aber mit einem Licht versehen waren. Man konnte auf einen Knopfdruck sehen, wie sich die Zahl im Laufe der Jahre auf nur mehr 2 verringert hat. Leider ist dieses Schaustück nicht im Katalog abgebildet. –

Bis 1985 gab es noch eine dritte Brauerei, die dann an einen Münchner Konzern verkauft wurde, der fast selbstverständlich die Braustätte dichtmachte. Der Bereich der Litschengasse wurde einer Wohnnachnutzung unterzogen, die architektonisch nicht gerade ein Höhepunkt akzeptablen Städtebaus ist.

Das gleiche Schicksal droht jetzt der ältesten Landshuter Brauerei, dem Landshuter Brauhaus von 1493. Im letzten Bausenat wurde angekündigt, dass das Gelände an der Pulverturmstraße einem planungsrechtlichem Wettbewerb unterzogen würde, sprich die Brauerei soll am alten Standort verschwinden und einer Wohnbebauung Platz machen. Hoffentlich wird aber das Versprechen wahr gemacht und eine neue alte Brauerei am Stadtrand entstehen und nicht bloß abgewickelt. Wir die Mitglieder der Fraktion der Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach haben natürlich keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik eines Betriebes, wir wünschen uns aber bei der Gestaltung der kommenden Gebäude auf dem bisherigen Brauereigelände eine bestmögliche und menschenfreundliche Architektur.

Die ehemals 37 Brauereien sind in der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts auf drei Stück, dann auf zwei zusammenkonzentriert, oder schlicht von den verbleibenden Mitbewerbern angekauft worden, was heute noch in der Eigentumsstruktur mancher Häuser in der historischen Innenstadt abzulesen ist. So gehört auch der Firmerbräu, ein mächtiges Gebäude an der Ecke Neustadt zur Regierungsstraße einer Brauerei. Uns treibt die Sorge um, da seit Jahren keinerlei Aktivitäten um das lange schon leerstehende Gebäude zu verzeichnen sind, dass auch hier die Stadtverwaltung wieder solange tatenlos zusehen wird, bis das Haus so marode wird, dass nur mehr der Abriss als Rettungsmöglichkeit verbleibt. Die Häuser an der Wagnergasse lassen grüßen. Auch hier fordern wir erneut, dass die Bauverwaltung ganz konkret tätig wird. Wir haben den Job des notwendigen städtischen Mitarbeiters als „Leerstandsbeauftragten“ bezeichnet. Dieser Kümmerer hat den Eigentümern so lange auf den Keks zu gehen, bis endlich etwas geschieht. Und die Stadt stellt Klimamanager ein, die wohl nur ein Feigenblattdasein fristen, aber die Bewahrung unseres Bauerbes ist scheinbar bedeutungslos.

Klar ist die Sanierung eines alten Hauses teurer als ein Neubau, aber schon Artikel 14 unseres Grundgesetzes normiert, dass Eigentum auch verpflichtet. Und kein Neubau wird den Charme eines renovierten Altbaus erreichen. Unsere historische Innenstadt ist es in jedem Falle wert die verbliebenen Häuser zu erhalten, auch wenn die Kosten hoch sind.

Eine schöne Geschichte gibt es noch als Bonus.

Am 7. Dezember 1810 war Markttag in Landshut, die Stadt war gesteckt voll und alle Besucher drängten sich in den 38 Wirtshäusern mit Bierausschank. Und zu einer genau abgestimmten Zeit fand dann in jeder der Gastwirtschaften eine Art Razzia statt. Städtische Polizisten beschlagnahmten jeweils einen vollen Maßkrug, den sie ins Rathaus brachten, wo eine Kommission das Bier dann untersuchte. Der Grund waren zahlreiche Beschwerden der Landshuter Bevölkerung über die Qualität. Denn Landshut, nicht etwa München hatte bereits 1409 ein erstes „Reinheitsgebot“ erlassen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. 

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
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