MORGENPOST – Handel und Wandel in Landshut

Es war einmal, so fangen alle guten Märchen an. Ob sie alle gut ausgehen, wie in Rotkäppchen und der Wolf, ist eine andere Geschichte. Also es war einmal zu Landshut eine historische Innenstadt, die im weiten Umkreis als der Magnet für Handel und Marktwesen galt. Aus nah und fern kamen die Menschen, um sich mit ihrem Bedarf an Waren aller Art einzudecken. In der Regierungsstraße gab es zum Beispiel den Kolonialwarenhändler Hirtreiter, der im Hof für Pferd und Wagen eine Unterstelle für die sehr verehrten Kunden anbot. Die Waren waren nicht abgepackt, sondern aus großen Säcken wurde dann Zucker, Mehl und Rosinen und was nicht alles sonst in meist mitgebrachte Tüten und Gläser abgefüllt. Das Brühpech für Schweine, wie der Kälberstrick und alles was der Mensch sonst noch begehrte, gab es. Es gab alles. Nicht verpackte Waren gibt es vielleicht bald wieder, den Laden in der Regierungsstraße gibt es ebenso wenig mehr wie die Kolonialwarenhändler. Was noch übrig geblieben ist, ist die EDEKA-Kette. Wissen Sie, was die Abkürzung bedeutet? (Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler im Halleschen Torbezirk zu Berlin)

Aber zurück zu unserem Märchen. Da hat sich doch ein guter Ritter, verkleidet als die Firma Decathlon, erboten, die städtischen Finanzen zu sanieren. Die Firma wäre bereit gewesen, in den Landshut Park mit einer großen Filiale zu kommen und hätte an Gewerbesteuer 18 000,- € pro Jahr bezahlt. Einzige Bedingung wäre gewesen, dass der renitente Stadtrat den Schutz der historischen Innenstadt aufgegeben hätte und den Marktplatz vor der großen Stadt massiv hätte unterstützen sollen. Seinerzeit war allein aus den eingeholten Gutachten klar, dass die Handelsfläche im Landshut Park zu beschränken war, um nicht den Tod des Handelsplatzes „Innenstadt“ zu riskieren, wie dies bei vielen anderen Städten passiert ist. Die Einkaufscenter auf der grünen Wiese mit ihrer Größe und guten modernen fußläufigen Verbindungen und den Parkplätzen vor der Tür bieten in der Regel Filialisten auch wesentlich billigere Mieten als in den historischen Stadtkernen an. Die Malls sind überdacht. Ob Sommer oder Winter, es ist immer gleich warm, der Käufer weiß dann nicht einmal, ob es regnet oder ob die Sonne schon untergegangen ist.

Der Stadtrat hat in seiner Mehrheit dem guten Ritter die rote Karte gezeigt und sich gegen die Flächenaufwertung des Einkaufscenters ausgesprochen.

Es folgte auch ein Shitstorm darüber, angeführt vom Oberbürgermeister, dass der böse Stadtrat den armen Leuten es nicht gönne, dass sie billig beim Sportartikelhändler einkaufen könnten, was per se schon Unsinn ist, da der Decathlon in Ergolding vorhanden ist.

Aber wir haben bald Weihnachten und die gute Fee hat für alle ein gutes Ende des Märchens bereit. Decathlon kommt nach Landshut mit seiner Gewerbesteuerkraft und den billigen Waren, aber eben nicht in die Münchnerau mit den verheerenden Auswirkungen, sondern ins Industriegebiet, dort wo der Modepark Röther bisher residierte.

Wir die Mitglieder der Fraktion der Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach haben immer wieder darauf hingewiesen, dass wir keinesfalls gegen die Ansiedlung neuer Märkte sind, aber erst die Frage zufriedenstellend zu beantworten ist, was die Ansiedlung bringt oder zerstört. Wir bedauern immer noch, dass die Stadt nicht weiß, welche Anziehungskraft sie hat. Gleichgültig, wer kommt und welche (schlechten) Vorschläge er hat, alles wird akzeptiert. Die Stadt Landshut muss lernen, selbstbewusst zu werden und auszuwählen was für sie passt und wie die Beurteilungsmöglichkeiten sind, Nicht nur für den Investor, sondern auch für die Stadt muss etwas bleiben. Investoren, die ihren Mist gebaut haben, sind im Nu, nach Abschöpfen ihres Gewinnes wieder weg. Die Stadt bleibt und hat mit den Folgen der schnell ausgesprochenen Genehmigung lange zu leben.

Und wie attraktiv Landshut ist, hat im Bausenat der OB fast aus Versehen bestätigt, der augenscheinlich mit seiner schönen Argumentationskette zur Armut Bauchlandung erlitt, als er erläuterte, dass dem Decathlon so viele attraktive Plätze rund um Landshut offeriert worden sind. Ganz genau, so ist es. Trotz der Vielzahl der tollen Standortmöglichkeiten, will dieser und viele andere Filialisten in die Stadt und nicht ins Umland. Warum, weil die Stadt sexy ist.

Ende gut, alles gut. Also doch ein Märchen mit gutem Ende.

Ich wünsche Ihnen ein schöne Woche.

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte
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