MORGENPOST – Controlling tut not

Die Elbphilharmonie in Hamburg dürfte wohl das Paradebeispiel für eine Kostenexplosion des öffentlich-rechtlichen Bauens sein. Von einmal angesetzten 77 Mio. € stiegen die Baukosten auf 798 Mio. €. Das ist eine glatte Verzehnfachung des ursprünglich angesetzten Preises. Dagegen ist der Flughafen in Berlin ein echter Waisenknabe. Sollte er tatsächlich im Oktober 2020 eröffnet werden, hat sich der Baupreis nur lächerlich auf das Dreifache, auf 6,5 Milliarden €, erhöht. Aber wir in Landshut können mit solchen Rekorden auch gut prahlen, die Berufsschule I an der Luitpoldstraße kostet auch fast das Doppelte dessen, was ursprünglich kalkuliert war. Die Baukosten halten bei rund 90 Mio. €. Unsere neuen Grundschulen sind noch nicht einmal richtig geplant und schon rechnet die Verwaltung auch schon mit exorbitanten Kostensteigerungen. Angeblich resultieren diese aus einer Indexierung der Preise. Ausgerechnet hätten die Planer die Kosten zu einem Stand 2018. Gebaut würde aber ab 2021, so hätte die Stadt schicksalshaft die Teuerung am Bau eben zu verkraften.

Wir, die Mitglieder der Fraktion der Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach, wollen das in Zukunft nicht mehr hinnehmen. Es dürfte eine Art Sport großer Unternehmen zu sein, immer dann, wenn die öffentliche Hand beteiligt ist, diese als Melkkuh zu betrachten. Wir fordern seit Jahren eine funktionierende Controlling Abteilung in der Stadt Landshut und das für alle Bereiche, die die Stadt bedient. Wir müssen uns davon trennen, dass die Beantragung eines Passes oder die Zulassung eines Autos hoheitliche Aufgaben sind, die gnädiger Weise die Stadt huldvoll dem Bürger zuteilkommen lässt. Die Strafe für solch unbotmäßiges Verhalten des Bürgers ist aber regelmäßig die Hinnahme von langen Wartezeiten. Auch diese Dienste einer Stadt müssen so aufgestellt werden, dass sie ohne Reibungsverluste und damit auch einigermaßen kostendeckend sind. Nicht das Ziehen einer Nummer mit langsamen Annähern der gezogenen mit der schnarrend sich fortbewegenden Nummer der Tafel, sondern Terminwünsche der Bürger können im Rahmen eines funktionierenden Controllings umgesetzt werden. Wir haben im Computerzeitalter auch die Möglichkeit, Stoßzeiten bei Behördengängen zu ermitteln und auch mit Personal gegenzusteuern.

Allein für den Bereich „Bau“ gehen die Aufgaben des Controllings über den reinen Soll-Ist-Vergleich (Umsetzungsprüfung) hinaus. Im Rahmen der Abweichungsanalyse analysiert der Controller eventuelle Abweichungen, ermittelt deren Ursachen und ihre Auswirkungen auf den Bauablauf. Falls erforderlich, zeigt er Handlungsbedarf auf und löst beim Management Gegensteuerungsmaßnahmen zur Zielerreichung aus.  Der Controller erstellt außerdem Prognosen (Vorschaurechnungen) über den erwarteten Ablauf der Baustelle, damit potentielle Abweichungen bereits im Vorfeld erkannt und unerwünschte Entwicklungen vermieden werden können. Diese etwas stark fachchinesisch anmutenden Begriffserklärungen meinen, dass es bei allen Baumaßnahmen zunächst ein ganz konkret definiertes Leistungssoll geben muss, das auch nicht mehr von Wünschen irgendwie beteiligter Personen geändert werden kann. „Weil wir schon einmal beim Reißen sind, wäre es doch super, wenn wir …“ sind oft beliebte Floskeln, die der Stadtrat in Nachträge umsetzt. Das Ziel muss sein, dass zumindest im Neubau keinerlei Nachträge mehr akzeptiert werden.

Momentan ist zwar das Problem erkannt worden und alle Nachträge müssen im Bausenat genehmigt werden. Das ist aber genau genommen noch fataler. Entweder die Baustelle steht, bis zur nächsten Senatssitzung, oder die Verwaltungspraxis verfestigt sich weiter, den Nachtrag zu beauftragen, aber dem Bausenat den schwarzen Peter zuzuschieben, dass dieser nachträglich dann die Nachträge akzeptiert. Was weiß denn der arme Stadtrat von den marktüblichen Preisen? Und ich als Anwalt der Baufirmen würde auf die Zinszahlungspflicht von momentan 8,12 Prozent an Verzugszinsen verweisen, wenn die Zahlungen nicht innerhalb von 3 Wochen nach den einschlägigen Regeln der VOB erfolgen.

Nein, wir müssen einen funktionierenden Bauablauf gewährleisten, der garantiert, dass in Zukunft der vereinbarte Bauplan dann zu feststehenden Preisen auch ausgeführt wird.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshuter-mitte.de