MORGENPOST – Zivilcourage

Schön langsam kommt der Kommunalwahlkampf in Fahrt. Aber 2020 ist auch ein Jahr mit halbrunden Erinnerungstagen. Der 2. Weltkrieg ging vor 75 Jahren zu Ende und auch die Konzentrationslager der Nazis wurden zu dieser Zeit befreit, auch das KZ Dachau. Ab Januar bis in den April hinein trafen Evakuierungstransporte aus bereits geräumten Lagern ein. Auch um die Arbeitskraft der Gefangenen weiter nutzen zu können, wurden sie auf lange und verlustreiche Transporte in den Westen des Reiches und später Richtung Südtirol geschickt. Die Überfüllung des Lagers beschleunigte die Typhusepidemie: Die Sterblichkeit lag im Januar 1945 bei 2903 Toten und stieg die folgenden Monate an. Gegen Ende März wurden hunderte deutsche Geistliche entlassen; 170 blieben inhaftiert.

Von einem der 170 Pfarrer möchte ich etwas erzählen. Korbinian Aigner gebürtig aus Hohenpolding, wenige Kilometer südlich von Landshut gelegen, schlug als Erstgeborener das Hoferbe aus und wurde 1911 Priester. Aus Interesse besuchte er 1923 eine Veranstaltung der NSDAP und hörte eine Rede Adolf Hitlers. Seit diesem Tage kämpfte er gegen den Nationalsozialismus. 1939 war Aigner Pfarrer in Hohenbercha, einem Dorf, westlich von Freising. Am 08. November 1938 hat Georg Elser das Attentat gegen Hitler versucht und einen Tag später am 09. November hat Korbinian Aigner, der wie damals üblich Religionslehrer in der Volksschule war, über das 5. Gebot vor 12 jährigen Schülern gesprochen. Aigner hat da bemerkt, dass er nicht wisse, ob es Sünde sei, was der Attentäter im Sinne hatte, weil dann vielleicht eine Million Menschen gerettet worden wären.

Aigner wurde am 22.11.39 nach einer Denunziation verhaftet und zunächst zu einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten verurteilt, da Korbinian Aigner gegen das Heimtückegesetz verstoßen hätte, dann aber ins KZ Dachau, auch KZ Sachsenhausen deportiert. Eine Schwesternschülerin hielt Kontakt mit dem Gefangenen. Unter dem Vorwand, preiswert Obst zu kaufen, fuhr sie regelmäßig mit dem Fahrrad nach Dachau und konnte Medikamente, Essen und Nachrichten ins Lager schmuggeln. Korbinian Aigner war ein Apfelnarr, er züchtete sogar im KZ Apfelbäume, die er auf dem oben beschriebenen Weg nach draußen schmuggelte. Auf dem Todesmarsch gelang ihm dann die Flucht, und von den im KZ gezüchteten Sorten fand dann eine Sorte Gnade vor seinen Augen, die er KZ 3 nannte. Heute ist der nach Korbinian Aigner benannte Apfel auch bei uns im Markt zu kaufen. Korbinian Aigner wäre heuer 135 Jahre alt geworden und er hat über 1000 Apfelsorten auf Karteikaten aquarelliert, die heute noch Grundlage des Standardwerkes „ Verzeichnis der Apfel- und Birnensorten“, ist, das Willi Votteler herausgegeben hat.

Korbinan Aigner war auch in Landshut. Freunden hat er am 29.06.1954 eine Postkarte aus Landshut geschickt und von der Restaurierung der Glasfenster der St. Martinskirche berichtet.

Wir die Mitglieder der Fraktion der Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach haben unseren ersten Flyer zum Wahlkampf unter dem Titel der Zivilcourage gestellt. So wie Korbinian Aigner fürchten musste, ist die Lage in Deutschland gottlob nicht, aber wir wollen unsere Demokratie jedenfalls wehrhaft verteidigen. Unser Staat ist es auch wert, dass wir für ihn eintreten. Und es soll nie wieder Krieg auf deutschen Boden sein und von deutschem Boden Krieg ausgehen. Das ist so aktuell, wie nie zuvor. Und Krieg kann nie eine Alternative sein.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
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84028 Landshut
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