MORGENPOST – Landshut und seine Bauern

Ja, es gibt sie auch noch im Stadtgebiet von Landshut. Bauern, die sogar als Vollerwerbslandwirte ihr täglich Brot verdienen, und ein paar mehr, die im Nebenerwerb in ihrer Landwirtschaft arbeiten. Es sind überschaubar wenig. Im Amt für Landwirtschaft füllen beispielsweise die Akten der Bauern von Essenbach ganze Regalwände, für Landshut genügen einige Leitzordner.

Bei keinem Berufszweig ist die Entfremdung zur übrigen Bevölkerung so groß wie bei der Landwirtschaft. Im Fernsehen werden wir bei den Rührserien mit Bildern einer heilen Welt überschwemmt. Es scheint immer die Sonne, die Mutter kocht und bäckt ein Schmankerl nach dem anderen aus den eigens angebauten Zutaten des Gartens, die notwendige Butter wurde aus der Milch der eigenen Kühe hergestellt, die Hausfrau, begleitet vom jüngsten der drei Kinder, zieht mit der Flasche ein Lämmchen groß, das von der Schafmutter nicht angenommen wurde, und so weiter und so weiter.

Gleichzeitig werden Fotos von Milchbauern ins Netz gestellt, die mit dem Traktor halbtote Kühe aus dem Stall ziehen. Flächig werden Ställe in ganz Niederbayern errichtet, die über riesige Abluftanlagen verfügen, fensterlos sind, und regelmäßig werden die Tiere an- und abtransportiert, meist über Hunderte von Kilometern. Der Nahrungsmittelbedarf der Tiere stammt aus Quadratkilometer großen Maisflächen, auf denen kein Insekt summt, und kein Unkräutlein mehr zu finden ist. Und die Gülle verschwindet nicht von selbst, sie wird flächig zentimeterhoch versprüht.

Der Verbraucher ist  zwar geneigt, Schokolade aus Afrika nur mit UTZ-Zertifikaten zu kaufen, was den Preis um schätzungsweise 0,01 € pro Tafel erhöht hat, dennoch erwirbt der Normalbürger das Hackfleisch zum Preis von 3,99 im Supermarkt und das tiefgefrorene Hähnchen gar für nur 1,99 €.

Viele Landwirte haben aufgegeben, sie haben ihre Flächen an Kollegen verpachtet, die Pachtzahlungen sind saftig, so dass die Pächter aus dem Boden herausholen, was der Mais nur hergibt.

Es stimmt schon, dass die Bauern auch am Markt vorbeiproduzieren und ganz unflexibel Agrargüter anbauen, die tendenziell immer billiger werden. Es ist halt auch extrem mühsam, vom Schlepper herunterzuklettern und wieder mit der Hand Dinge herzustellen, die einen höheren Preis rechtfertigen.

Wir, die Mitglieder der Fraktion der Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach, wollen, dass rechte Arbeit einen gerechten Lohn erbringt. Wir sehen dort auch eine Doppelmoral, wenn einerseits Kinderarbeit in Entwicklungsländern verpönt wird, aber gleichzeitig das Auslaugen unserer Böden und die Vernichtung und Ausbeutung unserer Umwelt dadurch belohnt wird, wenn die Billigheimer Lebensmittel verschleudern dürfen. Ich erinnere an unsere Morgenpost zum Wochenmarkt oder an Bauernmärkte der Umgebung. Wer die Waren hier direkt bezieht, stärkt die regionale Landwirtschaft.

Ich behaupte auch, dass die paar Euro mehr für vernünftige Produkte sich für alle auszahlen. Ein gutes Fleisch von vernünftig aufgezogenen Schweinen schmurgelt in der Pfanne auch nicht so zusammen, als wenn ein Schnitzel vom Turboschwein gebraten wird. Probieren Sie es aus. Und etwas weniger Fleisch ist auch gesünder, weniger Fleisch ist auch weniger Gülle. Und im Landkreis Landshut „leben“ exakt so viele Schweine, wie Menschen, nämlich 150 000! Das ist die höchste Dichte an den Tieren in ganz Deutschland.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. 

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
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