Spitzenmedizin für Landshut

Diskussionsbeitrag der Landshuter Mitte
zur Zusammenarbeit der Krankenhäuser in der Region Landshut

Seit Jahren wird nunmehr schon die Frage diskutiert, inwieweit die beiden Krankenhäuser der Stadt und des Landkreises kooperieren bzw. sogar fusionieren sollten. Seit Jahren herrscht bei dieser Frage Stillstand. Zuletzt wurde angekündigt, dass man an eine Zusammenarbeit über eine gemeinsame Tochtergesellschaft nachdenkt. Zwischenzeitlich wurde aber erkannt, dass dies aus Gründen des Steuerrechts nicht funktioniert. Der grundsätzliche Wille ist da. Es fehlt jedoch an Ideen und einem offenem Plenum.

Die Zeit ist reif für so ein Projekt, da sich die Verhältnisse im Krankenhausbereich in jüngster Zeit dramatisch geändert haben. Seit Jahren schreiben die meisten Krankenhäuser in Deutschland Defizite. Kommunale Krankenhäuser können derzeit nur durch Zuschüsse der Kommunen überleben. Auch in der Region Landshut ist es so.  Die Fraktion Landshuter Mitte will mit diesem Vorschlag die Diskussion zu diesem Thema anstoßen.

Nun stellt sich die Frage, wie eine solche Zusammenarbeit oder Kooperation aussehen könnte. Vor dieser Frage stellt sich aber die Frage: Braucht es überhaupt eine Zusammenarbeit? Letztere Frage ist mit einem eindeutigen JA zu beantworten:

  • Derzeit gibt es überflüssige Doppelstrukturen. Diese sind ineffizient, teuer und bringen keinen Mehrwert.
  • Weitere Spezialisierungen zum Nutzen der Bevölkerung von Stadt und Landkreis sind damit nicht möglich.
  • Höherwertige Medizin mit Spezialisierung bringt höhere Erträge von den Krankenkassen. Die Fallpauschalen (sog. DRGs steigen).
  • Beide Krankenhäuser werden ihre Verluste drastisch senken können.
  • Der Gesundheitsstandort der Region Landshut ist zukunftsfähig aufgestellt.

Und zum Wie der Zusammenarbeit gibt es auch nur eine Lösung: Die beiden Krankenhäuser brauchen ein „gemeinsames Dach“. Lose Kooperationen werden nicht funktionieren, da diese in der Vergangenheit nur sehr bedingt erfolgreich waren. Ebenso wenig helfen gemeinsame Tochtergesellschaften. Das Ziel muss vielmehr sein: Wir brauche eine „gemeinsame Mutter“.

Gemeinsame Muttergesellschaft haben wir bereits heute zwischen Stadt und Landkreis. Denn zwischen dem Landkreis und der Stadt gibt es bereits in anderen Bereichen gemeinsame Einrichtungen, wie die Abfallentsorgung oder den Berufsschulzweckverband. Die Stadt Landshut und der Landkreis Landshut harmonisieren dort bereits seit langem – nicht nur zum Wohle der der Berufsschüler, sondern auch der in der Region Landshut ansässigen Unternehmen. Diese Zusammenarbeit muss unseres Erachtens auch im Krankenhausbereich möglich sein.

Möglich ist eine solche Zusammenarbeit nur, wenn sich beide Partner auf Augenhöhe begegnen. Wir brauchen keine Fusion, sondern eine gemeinsame Muttergesellschaft, die sich – wie eine Mutter um ihre Kinder – fürsorglich um ihre beiden Krankenhäuser kümmert, aber auch die konkrete Strategie für den Gesundheitsstandort vorgibt.

  • Damit würden zahlreiche Doppelstrukturen in den Krankenhäusern zeitnah abgebaut. Skaleneffekte treten ein und führen zu geringeren Kosten.
  • Mit den frei werdenden Kapazitäten können neue Investitionen in Spitzenmedizin erfolgen.
  • Die Bevölkerung hat bei dem starken Bevölkerungswachstum einen Anspruch auf diese Spitzenmedizin.
  • Es können langfristig Zentren der Spezialisierung gebildet werden. Diese bringen höhere Erträge.

Beispiel: Die Geburtenabteilung wird zukünftig nur noch in einem Krankenhaus angeboten. Das andere Krankenhaus spart sich zunächst Kosten. Diese ersparten Kosten kann das andere Krankenhaus einsetzen für eine höherwertige Spezialisierung zum Wohle aller Bürger.

Das Gerücht, dass Arbeitsplätze in Gefahr sind, ist nicht wahr. Im Gegenteil: Im Falle einer Kooperation mit einer gemeinsamen Muttergesellschaft wäre unseres Erachtens Raum frei, neue Nischen im Sinne einer Spitzenmedizin zu etablieren und neue Märkte zu erschließen. Die Markterschließung ist noch lange nicht ausgereizt. Daher wird es keinen Arbeitsplatzabbau geben. Vielmehr bedarf es einer gemeinsamen Strategie zur Erschließung dieser neuen Arbeitsplätze im niederbayerischen und oberbayerischen Raum.

Zwar heißt es immer, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Im Falle der Medizin ist dies aber nicht zutreffend. Denn eine Konkurrenz auf niederen bzw. mittleren Niveau ist nicht gut für die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Wir sollten unsere Krankenhäuser in kommunaler Hand belassen. Denn im Rahmen einer Privatisierung würde folgendes eintreten: Die defizitären Bereiche würden geschlossen werden und die ertragreichen Bereiche würden weiterentwickelt werden. Damit ist aber der Bevölkerung in der Region Landshut nicht gedient.

Die Frage ist, wie sich Landkreis und Stadt hier auf Augenhöhe begegnen könnten. Nach unserem Dafürhalten muss sichergestellt sein, dass sämtliche Standorte des Achdorfer Krankenhauses beibehalten werden. Auch sollte man nicht die Frage diskutieren, wie viel die einzelnen Krankenhäuser wert sind. Dies kann ein Aspekt sein, sollte aber nicht der ausschlaggebende sein. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie die Krankenhäuser dahingehend weiterentwickeln können, dass wir die optimale Versorgung der Bevölkerung erreichen. Allein diese Frage ist ausschlaggebend.

Das Modell einer gemeinsamen Muttergesellschaft könnte wie folgt aussehen:

  1. Schritt:

Es wird eine gemeinsame Muttergesellschaft gegründet, an der Landkreis und Stadt zu je 50 % beteiligt sind. Tochtergesellschaften dieser Dachgesellschaft wären dann das Landshuter Klinikum und das Kreiskrankenhaus La.KUMed. In dieser Dachgesellschaft würde ein dreiköpfiges Leitungsgremium installiert werden. Geschäftsführer werden die bisherigen Geschäftsführer des Landshuter Klinikums und des La.KUMed. Neu hinzukommen würde ein neuer Geschäftsführer, der von Landkreis und Stadt gemeinsam berufen wird. Unter diesen drei Geschäftsführern wird dann der Sprecher der Geschäftsführung bestimmt. Ggf. könnten die Geschäftsführer noch um zwei Geschäftsführer im medizinischen Bereich ergänzt werden, damit auch von dort Führungsaufgaben wahrgenommen werden und die Rückkopplung in den medizinischen Bereich bestens funktioniert. Die Abstimmungen würden jeweils mit Mehrheit gefasst, so dass sichergestellt wäre, dass jeweils die beste Lösung für sämtliche Krankenhäuser gesucht wird.

  1. Schritt:

In einem weiteren Schritt sollte dann von der neuen Geschäftsführung ausgelotet werden, welche medizinischen Bereiche nur noch in einem Krankenhaus vorgehalten werden. Mit den frei werdenden Kapazitäten könnten dann Nischen in der Spitzenmedizin gesucht werden.

 

Wir sind der festen Überzeugung, dass auf diesem Weg nicht nur die Bevölkerung profitieren würde, sondern auch die Ärzte und das Personal. Denn eines steht auch fest, das Lohnniveau kann sowohl für die Ärzte als auch für das Pflegepersonal erhöht werden, wenn profitable Bereiche ausgebaut werden. Dies muss unser aller Ziel sein.