Ferienstammtisch – gut besucht – sensibel für die deutsche Sprache – mit Birgit Schönberger

Die Landshuter Mitte lud Mitte August in das Gasthaus Berndorf zum sog. Ferienstammtisch. Alle, die nicht verreist waren und Zeit hatten, sollten kommen – gekommen sind neben Mitgliedern auch etliche Interessierte, denn: Der Stammtisch war nicht allein ein Beisammensein, sondern es gab ein Thema – mit einer Gesprächspartnerin. Birgit Schönberger vom Verein Deutsche Sprache kam zur Landshuter Mitte. Und – sie sprach Klartext. Mit zahlreichen Beispielen schilderte sie, wo wir die deutsche Sprache vernachlässigen, aufgeben, vermeintlich treffende englische Begriffe und Satzteile formulieren, die – aus englischer Sicht – teils sogar falsch sind. Sie erläuterte, was man aufgibt, wenn man sich nicht mehr bemüht, deutsch zu sprechen.

Birgit Schönberger vom Verein Deutsche Sprache mit (r.) Fraktionsvorsitzender der Landshuter Mitte, Gabriele Goderbauer-Marchner
Birgit Schönberger vom Verein Deutsche Sprache mit (r.) Fraktionsvorsitzender der Landshuter Mitte, Gabriele Goderbauer-Marchner

Der Verein Deutsche Sprache fördert Deutsch als eigenständige Kultursprache. Dass Deutsch beispielsweise eine der zentralen Sprachen in der EU ist, wird kaum noch deutlich – im Europäischen Parlament kommt fast alles auf englisch „daher“. Und während die Franzosen mit großem Selbstbewusstein auf ihrer Sprache pochen, geben die Deutschen nach, geben sich dem Englischen hin. Dabei sei, sagte Birgit Schönberger, die deutsche Sprache sehr viel vielfältiger als die englische.

Sie kritisierte scharf, dass Deutschland in der Wissenschaftswelt die deutsche Sprache fast schon aufgegeben habe. Fast alle Konferenzen seien auf englisch abgehalten; kaum noch Fachaufsätze, die in deutscher Sprache formuliert seien. Die Globalisierung sei hier aber nicht die alleinige Ursache. Früher galt Deutsch als DIE Sprache für Kultur und Wissenschaft. Heute unterwirft man sich dem Englischen.

Birgit Schönbergers Worte entfachten eine rege Diskussion beim Ferienstammtisch der Landshuter Mitte. Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis: Man muss sensibel sein. Denn im Alltag schleichen sich laufend englische Worte ein, die teils haarsträubend sind, vom Handy über Sale und und und.

Die Landshuter Mitte würde es daher begrüßen – dies war auch ein – abgeschmetterter Antrag aus dem Frauenparlament – , wenn sich die Stadt Landshut etwas sensibler zeigen würde im Umgang mit dem „Denglisch“, sagte Fraktionsvorsitzende Gabriele Goderbauer-Marchner.

Übrigens – ein Mitglied der LM hat sich vor kurzem die Ausstellung „next stop Landshut“ im Rathaus II angeschaut. Dort, schilderte er, wimmelt es nur so von „Anklitzißmän“, einige seien hier aufgelistet: „next stop Landshut“, „Design-Research-Studio“, sustainable urbanism“, „zoom in, unterwegs in der Region“, „zoom out, mobil in der Stadt“, „shared space“, „Cluster-Wohnungen“, „Carsharing“, „Bikesharing“, „Townhouses“.

next step landshut - ausstellung TUM 2014

International sein, ja, das ist o.k.; ein internationales Studentenprojekt der TU München ist auch fein. Aber – ein bisschen mehr Normalität wäre vielleicht auch gut. Und – man darf ich vergessen, auch das sprach Birgit Schönberger an: Es gibt Menschen, deren Englischkompetenz nicht oder kaum vorhanden ist. Sollen die sich im eigenen Lande denn nicht mehr zurecht finden können?

Ihr Vorschlag: Ein einfaches, klares Englisch zu erlernen, das wäre sinnvoll. Mehr muss für eine Kommunikation nicht sein. Die eigene Muttersprache, die eigene Kultursprache aufzugeben, dies müsse verhindert werden.

Nicht alles Englische ist zu kritisieren, beileibe nicht. Aber ein vernünftiger Umgang mit der eigenen Sprache wäre sicher gut. Der Verein Deutsche Sprache verweist im übrigen auf www.anglizismenindex.de, wo es Nützliches wie Unbrauchbares zu lesen gibt.

Dr. Klaus Aichinger, Christine Kaiser im Gasthaus Berndorf
Dr. Klaus Aichinger, Christine Kaiser im Gasthaus Berndorf
Gäste und Mitglieder der LM im Gasthaus Berndorf - links Doris Platzer
Gäste und Mitglieder der LM im Gasthaus Berndorf – links Doris Platzer
Rechts Prof. Dr. Schönberger, daneben Ehepaar Leib
Rechts Prof. Dr. Schönberger, daneben Ehepaar Leib
Stadtrat Hans-Peter Summer von der Landshuter Mitte, Sofie Egerer-Florian, Angelika Dudeck
Stadtrat Hans-Peter Summer von der Landshuter Mitte, Sofie Egerer-Florian, Angelika Dudeck

Unter großem Beifall dankten die beiden Stadträte Gabriele Goderbauer-Marchner und Hans-Peter Summer Birgit Schönberger für ihren mit Engagement vorgetragenen Standpunkt pro deutsche Sprache – und zum Dank erhielt das Auditorium eine sehr lange  Ballade mit 13 Strophen, auswendig vorgetragen, von Birgit Schönberger: Bertolt Brechts „Legende von der Entstehung des Buches Tao Te King auf dem Weg des Laotse in die Emigration“.

Birgit Schönberger trägt eine Brecht-Balade vor
Birgit Schönberger trägt eine Brecht-Ballade vor