MORGENPOST – Neue Wohnformen in Landshut

Das ist die letzte Morgenpost vor dem großen Showdown am Sonntag, 15. März 2020. Wir, die Mitglieder der Fraktion der Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach, würden uns richtig freuen, wieder in den Stadtrat einziehen zu können, bedanken uns aber bereits heute, dass Sie uns bis dato die Treue gehalten haben. Mir hat das Schreiben der Morgenpost einen Riesenspaß bereitet, und ich hoffe, dass ich nicht zu vielen Menschen auf die Füße gestiegen bin. Unser Begehr ist, Ehrlichkeit mit dem Bürger zu üben. Und trotz der gewesenen Wahl werden wir an dieser Stelle weiterschreiben. Die MP sollte also kein (reines) Wahlkampfmittel sein. 

Für heute habe ich mir etwas Besonderes aufgespart, nämlich die neuen Wohnformen in Landshut. So gibt es die Genossenschaft Gewoschoen an der Isar mit 22 Wohneinheiten. Kaum ein Wohnbauprojekt der letzten Zeit hat mich mehr beeindruckt als das, was ich Ihnen vorstellen möchte.

Im Oktober 2014 hat die Stadt Landshut der Bauherrengenossenschaft ein Grundstück reserviert, um dort eine neue Wohnform von Jungen und Alten Behinderten und Alleinerziehenden zu ermöglichen. Im Herbst 2015 stand dann die erwünschte Planung. Das Motto der neuen Gemeinschaft war von Anfang an im Sinn einer aktiven, solidarischen, toleranten Nachbarschaft zusammenzuwohnen, aber mit dem Angebot  individuelle Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten und einen Platz für Rückzug, aber auch die Chancen einer lebendigen Hausgemeinschaft. So wurde bis 2017 mit vielen Hürden, auch unter Verzicht auf überflüssige Stellplätze, bezahlbarer und auf Lebenszeit sicherer Wohn- und Lebensraum innerhalb der Genossenschaft NaBau eG, Regensburg für 22 Parteien geschaffen. Das Haus ist einer spekulativen Verwendung satzungsgemäß entzogen. Bau, Instandhaltung, Modernisierung und Bewirtschaftung berücksichtigen Grundsätze der Nachhaltigkeit und Ökologie.

Damit die Stadt genehmigt hat, dass nicht alle Stellplätze errichtet werden mussten, hat die Genossenschaft mehrere Jahreskarten für die Stadtbusse gekauft, die auch fleißig genutzt werden. Die Bewohner hatten und haben ein hohes Maß an Mitgestaltungsmöglichkeiten und verwalten ihr Wohnprojekt zum Teil selbst. Sie mussten allerdings wohnungsbezogene Pflichtanteile einzahlen.Für Normalverdiener waren das 850,00 €/m² Wohnraum als einmaligen Beitrag, was zur Folge hat, dass die Miete pro m² 8,70 €/qm monatlich konstant bleibt. An Nebenkosten sind rund 1,80 € /m² noch hinzuzurechnen. Es gibt Gartenanteile und es gibt keine Zäune, sondern alles ist barrierefrei gebaut.

Und das Beste ist die Gemeinschaft. Um die Begegnung der BewohnerInnen zu fördern, gibt es einen Gemeinschaftsraum und Gemeinschaftsflächen, die auch gemeinschaftlich verwaltet werden. Wenn Sie mal Lust bekommen, sich mehr Informationen zu verschaffen, dann klicken Sie auf https://www.gewoschoen.de/

Eine solche Gemeinschaft lebt natürlich auch davon, dass sich jemand so engagiert wie Frau Bruckbauer darum kümmert, ganz klar, aber eine so große Stadt wie Landshut kann stolz darauf sein, dass es auch moderne Wohnformen gibt, die sich selbst findet, um auch ohne fremde Hilfe günstigen und schönen Wohnraum zu schaffen. Heute gibt es die berühmte Großfamilie nicht mehr. Da Kinder aber ein grundgesetzlich verbrieftes Recht auf Großeltern haben sollten, bieten Formen, wie Gewoschoen eigentlich einen modernen Ersatz.

Und wenn man spitz rechnet, ergibt sich folgendes Bild. Der m² Wohnraum kostet zu bauen 2750,00 im Jahre 2016, so die Landshuter Wohnungsbau. Das ist in 2020 garantiert nicht billiger geworden. Der m²-Preis für Baugrund dürfte um 1000,- € liegen für Mehrfamilienhäuser. Bei einer GFZ, das die Gesamtfläche auch mehrerer Etagen, die auf einem Grundstück untergebracht wird, von 1,0, bedeutet dass der Wohnraum einen Zuschlag für das Grundstück von 1000,00 €/m² erhält. Das Bauen kostet also schon 3750,00 €, oder eine 80 m² große Wohnung schlägt an reinen Gestehungskosten ohne Architekt mit 300 000,00 € zu Buche.

Die Methode der Genossenschaft kann eine Lösung sein. Eine andere wäre nur, dass die Stadt die Eigentümerin der Baugrundstücke wir und bleibt und sie auf Erbbaurechtsbasis vergibt. 

Ach ja, die Gewoschoen hat den Bauherrenpreis der Stadt Landshut für 2018 erhalten. Günstig bauen, kann auch architektonisch ein Leckerbissen sein.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr

Tilman v. Kuepach