Wenn man Angst hat nachts in der Altstadt … Gespräch bei LWS über die City-Streife

Sicherheitsdienst in Innenstadt ist unersetzlich wichtig – Landshuter Mitte bei LWS – Stadt braucht Hilfe für Bürger

 Wenn es dunkel wird, haben viele Mitmenschen Angst auf Landshuts Straßen der Innenstadt. Die Arbeitsgruppe Sicherheit und Ordnung der Landshuter Mitte hat sich im Herbst bei der Firma LWS informiert, wo der Schuh drückt, wo es Probleme gibt, was man verbessern könnte. Leider fand die Tageszeitung, der die LM eine Kurzversion des Textes sandte, das Thema nicht berichtenswert genug. Die Landshuter Mitte hört jedoch von vielen Bürgern, dass sie sich nachts unwohl fühlen in der Innenstadt – und froh sind über den Einsatz der LWS. Auch ist beinahe täglich in den Medien der Region von Überfällen, Schlägereien zu lesen. Die City-Streife ist wichtig, und das auch weiterhin, so das Fazit der LM. Sie hat übrigens daher auch einen Antrag der Freien Wähler im Haushaltsausschuss unterstützt, die ebenfalls die Bedeutung der City-Streife sehen und die Fortführung beantragt haben durch weitere Mittel im neuen Haushalt 2015.

Wie Geschäftsführer Peter Loder und sei Mitarbeiter Nikolaus Pfeiffer berichten, führt die LWS im Auftrag der Stadt seit Sommer 2010 den Sicherheitsdienst, die sog. City-Streife, durch. Dies sei, so Pfeiffer, ein einmaliges Modell, das man in ganz Deutschland nicht finde. Und – davon erfuhr der Sprecher der Arbeitsgruppe Sicherheit und Ordnung der LM, Herbert Lanzinger, es sei ein Erfolgsmodell. Die LWS nehme ihre Aufgaben in allen Nächten in der Altstadt wahr, von 23 bis 6 Uhr, an allen Tagen des Jahres.

Hilfen und Schutz in jeder Nacht durch die City-Streife: LWS-Geschäftsführer Peter Loder legt beeindruckende Zahlen vor nach vier Jahren Engagements in der Altstadt
Hilfen und Schutz in jeder Nacht durch die City-Streife: LWS-Geschäftsführer Peter Loder legt beeindruckende Zahlen vor nach vier Jahren Engagements in der Altstadt

Ausgangspunkt war der Schutz vor Beschädigung oder Diebstahl von Außenmobiliar der Gastronomen in der Innenstadt; allein in der Altstadt seien dies rund 1.500 Sitzgelegenheiten sowie Tische, Ausgangspunkt war aber auch der zunehmende Lärm, „Hinterlassenschaften“ von Nachtschwärmern, Graffiti-Schmierereien und Pöbeleien, Raufereien, sagte Pfeiffer.

Nikolaus Pfeiffer, engagierter Mitstreiter von Loder bei LWS
Nikolaus Pfeiffer, engagierter Mitstreiter von Loder bei LWS

Die City-Streife ist mit dem Bereich der historischen Altstadt, ab Dreifaltigkeitsplatz, befasst. Dort, wo Diskotheken seien, könne man von Brennpunktbereichen sprechen, sagt Nikolaus Pfeiffer. So können, wie Loder betont, private Sicherheitsdienste die professionelle Polizeiarbeit nicht ersetzen und wollen dies auch nicht, aber sie helfen, Diebstahlsdelikte u verhindern, sie wirken entgegen, wenn verdächtige Handlungen von Personen gesehen werden, sie greifen ein bei unsozialem Verhalten wie Ruhestörung, Gewalt- oder anderen Straftaten. Dies trage erheblich bei, dass die Sicherheit der Bürger in der Innenstadt gewährleistet und die Sauberkeit im öffentlichen Lebensraum aufrechterhalten werde. Nicht von ungefähr, sagte LM-Sprecher der Arbeitsgruppe, Lanzinger, sei Landshut schon wegen der sog. Wildbiesler in die überregionalen Schlagzeilen geraten.

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Die von der Stadt beauftragte Firma LWS security group setze je nach Wochentag und Witterung unterschiedlich viele Personen ein für ihre City-Streife. Zum Einsatz kämen fußläufige Doppelstreifen, teils auch unterstützt von Diensthunden. Mit Mobiltelefon seien die LWS-Sicherheitsleute mit der Polizei verbunden, wenn etwas geschehe; eine Verbindung zur betriebseigenen Notruf- und Serviceleitstelle von LWS sei immer gewährleistet. Somit können Im Notfall auch Verstärkungskräfte angefordert werden.

Peter Loder berichtete auch von den Schulungen seines Personals. Dies sei umso wichtiger, da es keine einheitliche Ausbildung gebe. Fakt sei aber, dass durch eine „Kultur des Hinschauens“ schon im Vorfeld so manche Täter abgeschreckt würden. Es gehe eben auch um präventive Wirkung, so Pfeiffer. Man wolle deeskalierend eingreifen und nach Möglichkeit die Ordnung sofort wieder herstellen.

Wichtig aber sei auch die Hilfeleistung durch das LWS-Personal der City-Streife. Man erteile Auskünfte, beseitige Störstellen, bewähre in besonderen Situationen Begleitschutz. Dass das Unternehmen alle Vorkommnisse einer jeden Nacht statistisch auswerte, sei umso relevanter, so Loder, als mit diesen Zahlen ein weitgehend realistisches Bild vom Zustand der Innenstadtsicherheit gegeben werden könne.

Christine Kaiser, Angelika Dudeck und Fraktionsvorsitzende Gabriele Goderbauer-Marchner (v.r.) im Besprechungsraum der Firma LWS
Christine Kaiser, Angelika Dudeck und Fraktionsvorsitzende Gabriele Goderbauer-Marchner (v.r.) im Besprechungsraum der Firma LWS

Die Zahlen, die die Landshuter Mitte erfuhr, sind beeindruckend – und erschreckend; was wäre, sagte Christine Kaiser, wenn es die City-Streife nicht gäbe? In den vergangenen vier Jahren gab es 1431 Einsatzberichte; 241 mal wurde Diebstahl verhindert; 519 mal wurden Formen von Vandalismus unterbunden; 1026 mal wurde nach Ruhestörungen die Nachtruhe wieder hergestellt. Den breitesten Raum aber nähme die Verunreinigung der Altstadt ein mit über 2250 „Ereignissen“, hierunter zählt v.a. das Wildbieseln. Bei der Polizei wurden über 1000 Personen entsprechend angezeigt – und das waren nicht allein nur Männer.

Steigende Tendenz haben auch nach den Worten Pfeiffers die Pöbeleien, Raufereien und Gewaltdelikte (über 750 in vier Jahren). Dies zeige, so Peter Loder, die wachsende Aggressionsbereitschaft der Menschen. Dies sei nicht allein spezifisch für Landshut, aber man könne den Verdacht formulieren, dass die Gesellschaft gefährlich verrohe.

Was vor allem bemerkenswert sei, erfuhren die Stadträte Hans-Peter Summer und Fraktionsvorsitzende Gabriele Goderbauer-Marchner, sei die Tatsache, dass man im dritten Jahr, als der Winter sehr kalt war, auch Obdachlosen und Stadtstreichern helfen konnte, die – teils angetrunken – bei klirrender Kälte auf der Fahrbahn Schlaf gesucht hatten; auch habe man drei Brände in der Altstadt im Keim ersticken können und die Feuerwehr herbeigerufen. Auch ein früh erkannter Wasserrohrbruch konnte durch das Eingreifen der City-Streife durch die Stadtwerke behoben werden.

Der Sprecher der Arbeitsgruppe Sicherheit und Ordnung, Herbert Lanzinger (links) mit Sofie Egerer-Florian und Stadtrat Hans-Peter Summer
Der Sprecher der Arbeitsgruppe Sicherheit und Ordnung, Herbert Lanzinger (links) mit Sofie Egerer-Florian und Stadtrat Hans-Peter Summer

Die Landshuter Mitte hat im Herbst in der Innenstadt eine Umfrage gestartet. Vor allem die LM-Mitglieder Angelika Dudeck, Sofie Egerer-Floran, Christine Kaiser, Kerstin Catana und Ulrike Aigner sowie Fritz Kargl waren mit dem Sprecher der Arbeitsgruppe aktiv. Deren Auswertung wird auch für die LWS von Interesse sein, sagte Peter Loder. Nach den Worten von Herbert Lanzinger wolle man noch vor dem Advent die Ergebnisse präsentieren. Schon heute wisse man, dass es viele Bürger bedauern, dass die City-Streife nicht auch in der Neustadt und in den Gassen zur Altstadt aktiv seien. All dies, betonte Stadtrat Summer, sei eine finanzielle Frage.

Wie wichtig es sei, dass die City-Streife gut und eng mit der Polizei arbeite, zeigen die Zahlen: fast 1700 mal wurde die Polizei herbeigerufen. Dass die City-Streife nicht nur stundenweise, sondern tatsächlich die ganze Nacht arbeite, bewirke Gutes; dies müsse sich eine Stadt für das Wohl ihrer Bürger auch leisten, so die Landshuter Mitte. Nach den Worten von Nikolaus Pfeiffer sei es jedoch keine Lösung, die Sperrzeit zu verlängern.

Geschäftsführer Peter Loder (r.) und Nikolaus Pfeiffer belegen mit umfänglicher Statistik die Gewährleistung der Sicherheit in der Altstadt bei Nacht
Geschäftsführer Peter Loder (r.) und Nikolaus Pfeiffer belegen mit umfänglicher Statistik die Gewährleistung der Sicherheit in der Altstadt bei Nacht