008 MORGENPOST – Landshut ist ein schlafender Riese

Landshut ist ein schlafender Riese, so die Definition der Mitglieder der Landshuter Mitte Fraktion aus Dr. Maria Fick, Claudia Zehentbauer, Hans-Peter Summer, Prof. Dr. Thomas Küffner und Tilman v. Kuepach.

Ein Riese, weil der Dunstkreis Landshut mit den umliegenden Gemeinden Kumhausen, Altdorf und Ergolding im Verbund mit Landshut eine Großstadt von gut 1oo ooo Einwohnern darstellt. In der Tat hat die Bevölkerungszahl Landshut die ehemaligen Konkurrenten Kempten und Rosenheim, die immer etwa gleich viel Einwohner wie Landshut hatten, mittlerweile auf die Plätze verwiesen. Mit 72 5oo Einwohnern ist Landshut nahezu gleich groß wie Bamberg oder Bayreuth. Ein schlafender Riese deshalb, weil sich die Stadt Landshut im bayernweiten Vergleich noch immer weit unter Wert verkauft.

Es ist zwar richtig und erfüllt die Landshuter Brust mit Stolz, wenn im internationalen Parkett die Begriffe Landshuter Hochzeit und Eishockey allgegenwärtig sind. Indes mit diesen wichtigen Zutaten wird man dem Phänomen Landshut allein nicht gerecht. Landshut war für kurze Zeit die Hauptstadt von ganz Bayern und von diesem Anspruch zehrt der immer noch vorhandene Bürgersinn. Erinnert sei nur daran, dass al-lein durch Mäzenatentum das Landshuter Stadtmuseum zusammengesammelt wurde. Gäbe es die engagierten Bürger um den Freundeskreis Stadtmuseum Landshut e. V. nicht, würde das ehemalige Franziskanerkloster wohl noch immer in seinem Dornröschenschlaft dahingammeln.

Ein anderes Beispiel sind die Freunde der Altstadt Landshut. Gäbe es diesen Verein nicht, wäre der Bereich um den Moserbräu längst platt gemacht und einem sicher geistlosen Neubau (mit Garagentoren) gewichen.

Die Stadtratspolitik in den nächsten Jahren muss bei klammen Kassen unbedingt da-für sorgen, dass sich aus der Bevölkerung weitere Unterstützung und Mäzenatentum bilden, um das Theater wieder an seinen alten Platz zu bringen und um Ausstellungen in Landshut möglich zu machen, die wirklich von Besuchern angenommen werden.

Wussten Sie eigentlich, dass in Landshut die industrielle Revolution begann? Die Landshuter Martinskirche hatte in der frühen Neuzeit das erste genau gehende Uhrwerk. Nicht nur, dass nach jeder Seite hin die Uhr vom Martinsturm die Zeit kündete, sondern die Uhr war auch genau. Während normalerweise Uhren aufgezogen wurden und am Anfang schnell, dann später langsamer ihre Energie an das Uhrwerk abgaben, hat ein Landshuter Uhrmacher das sogenannte Hemmrad erfunden, so dass die Energie aus den Gewichten langsam und stetig an die Zeiger abgegeben wurde. In der Fachwelt wird das Hemmrad der Landshuter Martinskirche als der Beginn der industriellen Revolution angesehen. Das ist überall in der Welt, leider nicht in Landshut, bekannt. Allein diese phänomenale Erfindung wäre es wert in einer Ausstellung präsentiert zu werden, die deutschlandweit Anklang fände. 

Der Maler Max Slevogt ist 1868, also vor knapp mehr als  15o Jahren, in Landshut geboren. Zusammen mit Lovis Corinth und Max Liebermann gehört er zu den Vertretern der Freilichtmalerei. Eine Ausstellung zu dessen 15o. Geburtstag wäre längst einmal fällig gewesen. Das Landesmuseum Mainz hat es dann unternommen, Max Slevogt zu präsentieren, nicht aber die Museen der Stadt Landshut.

Landshut besitzt eine der größten Afrikasammlungen. Angeblich soll sie einen Wert von 6o Mio. Euro haben. Die Stadt musste Depoträume anmieten, um ihren vertraglichen Verpflichtungen der Fritz-König-Stiftung gerecht zu werden. Dort wird die Sammlung sicherlich ebenso einen Dornröschenschlaft erleiden wie das Franziska

nerkloster, es sei denn, ja Sie machen mit, gründen Sie einen Freundeskreis Landshut, der sich darum kümmert, Ausstellungen, so wie dies in Rosenheim der Fall ist, stattfinden zu lassen, um Landshut den entsprechend der Stadt gebührenden Rang zukommen zu lassen. 

Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Woche

Ihr 

Tilman v. Kuepach

Landshuter Mitte Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer 
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshutermitte.de

www.landshuter-mitte.de