011 MORGENPOST – Die Isar ist im Fluss

Die allermeisten bayerischen Städte liegen an einem Fluss. Da dieser ein praktischer Transportweg war, lud dies zur Stadtgründung ein. Gerade Holz, das zum Heizen und Kochen unentbehrlich war, wurde regelmäßig über die Flüsse transportiert.

Die Entstehungsgeschichte der Stadt hat unmittelbar mit der Isar zu tun. Herzog Ludwig der Kelheimer ließ eine, dem Bischof von Freising zur Maut stehende Brücke abbrechen und in Landshut über die Isar neu errichten, um von den Benutzern einen Brückenzoll verlangen zu können.

Ich erinnere mich noch gut, dass bis in die 7o-er Jahre der Fischhändler Platiel seinen gefangenen Flussfisch in der Isar gehältert hat. Unsere Seniorin im Stadtrat wusste sogar noch, dass bis in die 5o-er Jahre in der Isar gebadet wurde. Der arme Lateinschüler muss sich regelmäßig und gerade am Beispiel der Isar damit abquälen, dass die Römer den Fluss Isara genannt haben, der aber männlichen Geschlechts war, trotz der weiblich Endung. Isara rapidus, die reißende Isar, musste man sich als Schüler unbedingt merken.

Gleichzeitig haben die Landshuter ihren Fluss nicht recht getraut. Bis weit in die Neuzeit war die Isar auch gleichzeitig die Stadtgrenze. Das Ländtor zeugt noch heute von der eindrucksvollen Stadtbefestigung am Isarufer. Die Landshuter haben mehr als nur Respekt vor ihrem Fluss. Regelmäßig trat die Isar über die Ufer und überflutete das Stadtgebiet. Im Stadtarchiv finden sich Bilder aus der Frühzeit der Fotografie. Um 1899 war die frisch errichtete Papiererstraße nur mehr mit Booten befahrbar, ebenso im Jahre 194o, bis mit der Errichtung der Flutmulde die Stadt hochwasserfrei gemacht wurde. Gleichzeitig wurde aber auch das Maxwehr gebaut und der große Flussarm in einer Betonkanalrinne aufgestaut.

Ebenso ist Baden in der Isar seit jeher verboten. Coliforme Keime, so die Aufsichtsbehörden, befinden sich zuhauf im Isarwasser. Das Baden in der Isar wäre gefährlich und würde krank machen. Diese Bakterien kämen, so eine Version, aus der verschmutzten Amper, denn bekanntermaßen ist das Wasser in der Großstadt München noch so rein, dass immer in der Isar gebadet werden konnte. Nun haben neuere Untersuchungen gezeigt, dass nicht die bösen Anwohner des Amperflusses für die Keime sorgen, sondern die langsame Fließgeschwindigkeit, bedingt durch die Staustufen, für das Vorhandensein der Keime ursächlich ist. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass im Betonkanal immer weniger Fische laichen können, da sie Kiesbänke benötigen. Immer weniger Vögel finden Nahrung und die Artenvielfalt am Fluss hat erheblich abgenommen. Dank des Landshuter Angelsportvereines wird die Fischpopulation durch Neubesatz jedes Jahr stetig gleich gehalten, ansonsten wäre beispielsweise der Huchen bei uns längst ausgestorben.

 Von 2ooo bis 2o11 wurde in der Stadt München die Flusslandschaft auf einer Strecke von 8 km zwischen Wehranlage Großhessellohe und dem Deutschen Museum naturnah umgebaut, was interessanterweise auch den Hochwasserschutz erhöht. Der Landkreis Dingolfing-Landau hat nachgezogen und über mehrere Kilometer, in Loiching, Dingolfing und jetzt Landau mit der Renaturierung der Isar begonnen. Am o6.o5.2o18 wurde mit einem Ansturm von Besuchern die renaturierte Isar im Stadtgebiet von Dingolfing freigegeben. Auf einer Länge von 1,3 km sind zwischen den beiden Stadtbrücken an beiden Ufern große flache Kiesstrände entstanden. Zugleich bietet die naturnah umgestaltete Flusslandschaft wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Die Dingolfinger Bürger haben die Umgestaltung der Isar begeistert aufgenommen.

Und in Landshut, besteht, nein bestand, bis zum 2o.o3.19 Badeverbot.

Nun das Umdenken. Das Wasserwirtschaftsamt und die Regierung von Niederbayern haben sich weichklopfen lassen und kein generelles Badeverbot in der Isar mehr für notwendig erachtet. Durch die behördliche Entscheidung ist zwar die Anzahl der coliformen Keime nicht zurückgegangen, dennoch sieht die Behörde dann, wenn die Stadt entsprechender Schilder aufstellt, die vor dem „Genuss“ des Isarwassers warnen, keine Notwendigkeit mehr das Badeverbot aufrecht zu erhalten. Prompt hat der Verwaltungssenat gestern beschlossen die Aufhebung dieses Verbotes umzusetzen.

Die Landshuter Mitte Fraktion im Landshuter Stadtrat aus Dr. Maria Fick, Claudia Zehentbauer, Prof. Dr. Thomas Küffner, Hans-Peter Summer und Tilman v. Kuepach fordern darüber hinaus, dass analog zu den Beispielen im Landkreis Dingolfing-Landau bzw. der Stadt München der Flussraum, wo immer möglich, ebenfalls naturnah umgebaut werden muss. In nahezu keiner anderen Stadt ist das Flussufer so erlebbar. Während in Passau beispielsweise die Ufer der Donau mit Straßen vollgebaut sind, kann man nahezu an jedem Punkt der Stadt ungestört am Ufer verweilen oder mit dem Fahrrad entlang radeln.

Bereits im Marketing-Konzept für die Stadt Landshut, das im Jahre 2o18 veröffentlicht wurde, wurde der Umbau des toten Flusses zu einer erlebbaren Isar gefordert, dass der Fluss wieder zu Recht Isara rapidus heißt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Tilman v. Kuepach

Landshuter Mitte Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
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