014 MORGENPOST – Visionen werden Wirklichkeit

In Schweinfurt, einer wenig beachteten Stadt im nördlichen Bayern, gibt es seit 4o Jahren Städtebauförderung. Schweinfurt war im 2. Weltkrieg eine der wichtigen Industriezentren in Bayern und hatte das Glück, dass die Industrieanlagen zu etwa 6o % und die Innenstadt nur zu etwa 4o % zerstört wurde. Während in Würzburg in einer einzigen Bombennacht die Innenstadt verbrannte, war Scheinfurt zwar heftig umkämpft, aber nicht so zerstört, dass ein geistloser Komplettabriss, wie in Pforzheim oder Hanau, gedroht hätte. Nichtsdestoweniger sind in den Boomzeiten des Wirtschaftswunders nicht nur in den Baulücken, sondern auch durch Abriss recht geistlose Betongebäude in die Höhe gewachsen, die mit dem zunehmenden Autoverkehr das Leben in der Innenstadt zur Pein machte. Letztlich ist Schweinfurt heute eine wunderschöne Stadt geworden, die Altes und Neues perfekt miteinander verbindet.

Erheblichen Anteil um den Umbau der Stadt hatte die Oberbürgermeisterin Gudrun Grießer, die von 1992 bis 2o1o die Geschicke der Stadt steuerte. In der von der SPD dominierten Stadt gelang es 1992 erstmals mit der politisch unverbrauchten Quereinsteigerin Gudrun Grießer, die erst kurz vor der Wahl der CSU beitrat, den Oberbürgermeister zu stellen. Während ihrer Amtszeit wurde das neue Motto der Stadt, Industrie und Kunst, entwickelt. Sehr viele Projekte, in Zusammenarbeit mit dem damaligen Baureferenten, gaben der Stadt ein neues Gesicht, setzten in der Architektur neue, überregional beachtete Zeichen, und wurde mit zahlreichen Architekturpreisen honoriert. Unter den vielen verwirklichten Projekten sind das Museum Georg Schäfer, das Konferenzzentrum, die Stadtbücherei, die Kunsthalle, die Stadtgalerie und der Campus II der Hochschule besonders zu erwähnen. Wikipedia schreibt, dass die Ära Grießer bis heute stadtbildprägend bleibt, wie keine andere Epoche seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg. Sie veränderte das Stadt-image nachhaltig.

Schweinfurt ist zwar deutlich kleiner als Landshut. Es bestehen aber viele Parallelen. Auch in Landshut täte es Not, dass image- und stadtbildprägend sich in nächster Zeit etwas änderte. Die Stadt hat durchaus richtige Ansätze geschaffen und auch eine Vielzahl von Sanierungsgebieten rund um die Innenstadt entwickelt. Diese Sanierungsgebiete werden jedoch reichlich stiefmütterlich behandelt. Hochtrabende Sanierungsziele, wie die Durchmischung des Einzelhandels in der historischen Stadt, werden definiert, gleichzeitig wurden aber viele scharfe Schwerte des Sanierungsrechtes gleich wieder eingepackt. Kein Mietvertrag ist durch die Stadtverwaltung zu genehmigen, lediglich wenn ein altes Haus in Eigentumswohnungen umgewandelt wird, kann die Stadt mitreden. Die Altstadt ist mittlerweile mit Freischankflächen außen und gastronomischen Einrichtungen in den Erdgeschoßen förmlich übersät. Klar macht es Spaß in der Altstadt zu sitzen und Menschen flanieren zu sehen, die sich ebenfalls am Frühling und an den ersten warmen Sonnenstrahlen erfreuen. Nur leider geht die Entwicklung hin zu Gastronomieeinrichtungen in den Altstadthäusern immer weiter, die Fachgeschäfte sterben aus.

Die Krone dieser Gastronomiefreundlichkeit haben jetzt einige Stadträte aufgesetzt, als sie, und nicht der Hauseigentümer beantragt haben, für ein ehemaliges Drogeriegebäude eine Vielzahl von Freischankflächen auszuweisen, weil ohne eine derartige Genehmigung ein griechisches Lokal nicht überleben könne. Die Stadtverwaltung, wie im Übrigen auch die Fraktion der Landshuter Mitte, aus Dr. Maria Fick, Claudia Zehentbauer, Prof. Dr. Thoms Küffner, Hans-Peter Summer und Tilman v. Kuepach, sind dafür, dass die Handelsstruktur nicht in die Weichbilder der Stadt und nicht ins Industriegelände abwandert, sondern dafür dass der Handel in der historischen Stadt überleben kann. Wenn aber nur mehr gastronomische Einrichtungen, seien es Cafés, seien es Speiselokale, mit immer weiteren Freischankflächen in Geschäfte einziehen, wird der Handel in der Innenstadt selbst auf kurz oder lang zum Erliegen kommen.

Die Landshuter Mitte hat im Wahlkampf für die Periode 2o14 bis 2o2o gefordert, dass die Stadtverwaltung einen “Leerstandsbeauftragten“ bestimmt. Dieser hätte mit den Hauseigentümern zu reden und behutsam die Möglichkeit zu ventilieren, inwieweit nicht eine Sanierung eines Altstadtobjektes möglich wäre. Dieser Leerstandsbeauftragte hat selbstverständlich alle Fördermöglichkeiten zu kennen und auch jegliche Kenntnis vom öffentlichen Baurecht. Selbstredend hätte er so hartnäckig zu sein, dass, wenn der Eigentümer ihm die rote Karte zeigt, er dennoch am Ball bleibt und möglicherweise über die Hintertüre die Eigentümer erneut kontaktiert. Denkbar wäre auch eine Eigentümerbörse einzurichten, um Objekte auf Leibrente anzubieten oder auf Erbbaubasis. Der Leerstandsbeauftragte ist kein Superman. Er kann keineswegs alle Probleme lösen, aber dafür sorgen, dass in Zukunft die historische Innenstadt, speziell die Altstadt, nicht im Parterre nur Cafés und Gasthäuser beherbergt und in den Geschoßen Leerstand. Der Leerstandsbeauftragte soll ein echter Kümmerer sein, der die Sorgen und die Nöte, auch der Hauseigentümer und der Nutzer, ernst nimmt und Lösungsvorschläge unterbreitet. Die Menschen müssen mit ins Boot genommen werden. Sonst geht es der Stadt Landshut auch so, wenn beispielsweise an der Wittstraße eine geschlossene Gebäudefront mit fünf bis sechs Geschoßen entstehen soll. In der Mitte dieser neuen Häuserzeile hat vor zehn Jahren ein Eigentümer gebaut, dem untersagt wurde höher als zweistöckig zu bauen. Dieser Eigentümer denkt jedenfalls, auch nicht ansatzweise daran, sein Gebäude jetzt abzubrechen oder um drei bis vier Geschoße zu erhöhen. Dessen Gefühlslage ist interpretierbar.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Frühlingswoche.

Ihr

Tilman v. Kuepach

Landshuter Mitte Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshutermitte.de