015 MORGENPOST – Klimawandel

Manche Menschen können den Begriff Klimawandel schon nicht mehr hören. So viele wichtige Bereiche werden in den Medien breit und immer breiter getreten. Sie sind dann so ausgelutscht, dass der Normalbürger des Themas so überdrüssig ist, dass er automatisch die Ohren verschließt. 

Leihen Sie uns aber dennoch Ihr Ohr, da die Fraktion der Landshuter Mitte, aus Dr. Maria Fick, Claudia Zehentbauer, Prof. Dr. Thomas Küffner, Hans-Peter Summer und Tilman v. Kuepach, ihre Vorstellungen zur Stadtentwicklung aufgrund des Klimawandels gern darstellen würde.

Nicht nur viele ältere Menschen, sondern gerade der amerikanische Präsident, Trump mit Namen, bestreiten, dass es einen Klimawandel gibt, zumal an der Ostküste und im mittleren Westen der USA noch Anfang April jetzt recht arktische Temperaturen herrschen. 

Vielleicht kann man darüber streiten, inwieweit der Mensch für dieses Phänomen verantwortlich ist, tatsache ist aber, dass es einen Klimawandel immer gegeben hat. Sogar vom 9. bis zum 11. Jahrhundert die mittelalterliche Warmzeit und dann vom 14. bis 19. Jahrhundert die kleine Eiszeit und jetzt im 2o. Jahrhundert eine warme Phase.

In Landshut gab es noch im 15. und 16. Jahrhundert Weinberge. Davon zeugen Ortsnamen wie Weingartenweg, Weinzierlstraße oder Am Weinberg. So sind bei der Landshuter Fürstenhochzeit 1475 17o große Fässer, d. h. ca. 37o ooo l Baierwein also Wein aus unserer Region getrunken worden. Irgendwann wurde es zu kalt für den Weinanbau, der 3o jährige Krieg tat ein Übriges um diese Kunst vergessen zu machen. 

Die Menschen am Hofberg schätzen seit je her ihre Walnussbäume. Der Baum, der nach Italien benannt ist da er welsche, d. h. italienische Nüsse trägt, gedeiht gerade am Hofberg prächtig und alte Hofbergler erzählen immer, wie sie Nüsse gekrampfelt (= geklaut) haben. In der Zeit um 191o gab es so kalte Winter, dass die Nussbäume erfroren. Temperaturmessungen gibt es noch nicht so fürchterlich lange. Die Zeit um 191o war messtechnisch die kälteste Zeit seit es Wetteraufzeichnungen gibt. Spätestens seit 1950 geht es aber mit den Temperaturen deutlich bergauf. Im Jahre 2o16 lag die mittlere globale oberflächennahe Lufttemperatur um rund o,94 ° C höher als das Mittel im 2o. Jahrhundert. Das Jahr 2o17 und 2o18 haben hier auch noch eins draufgesetzt.

Man kann jetzt gut sagen, dass ein knappes Grad Temperaturerhöhung subjektiv nicht gerade viel ausmacht und eigentlich doch egal sein müsste? Der Stadtrat von Landshut hat im Jahre 2o18 zuerst in den Umweltsenat, dann aber ins Plenum Herrn Prof. Dr. Stephan Pauleit eingeladen über den Klimawandel in Städten zu berichten und welche Möglichkeiten bestünden diesen abzupuffern. Prof. Dr. Pauleit hat dabei, zunächst einmal bezogen auf die Stadt München, Daten geliefert, die nachdenklich machen. Normalerweise werden Temperaturen im Schatten gemessen. Nur sind das nicht die Temperaturen, die auf den menschlichen Organismus im Wesentlichen einwirken. Misst man hingegen auf etwa 1,4o bis 1,6o m Höhe in den Straßenschluchten der Städte, also in einer Höhe wo sich das menschliche Herz des Fußgängers befindet, kommen ganz andere Wert zustande. So sind im Jahr 19oo an drei Tagen im Jahr Temperaturen von über 6o ° gemessen worden. Im Jahr 2o17 waren dies 9o Tage. Mit derartig hohen Temperaturen kämpfen natürlich besonders kranke und alte Menschen. Temperaturen von 6o ° und mehr sind aber auch eine irrsinnig hohe Belastung auch für gesunde und junge Leute.

Klar ist, dass noch so gute Stadtratspolitik nicht dazu führt, dass die globale Temperatur zurückgeht, es gibt aber durchaus eine Vielzahl von Möglichkeiten die Auswirkungen vernünftig abzupuffern. Prof. Dr. Pauleit hat erläutert, dass Dachbegrünungen zwar gut für das Klima im Gebäude sind, da an der obersten Etage eine entsprechende Pufferschicht für Ausgleich sorgt und auch das Regenwasser nicht sturzbachartig in die Abwasserleitungen strömt, wenn eine Dachbegrünung vorhanden ist. Das Klima in der Stadt ändert sich aber weder durch eine Dach- noch eine Fassadenbegrünung.

Wirksam ist vor allem das Pflanzen großer, ja sehr großer Bäume. Ein Großbaum kann bis zu 1oo kg Staub binden, ein Großbaum entzieht der Atmosphäre über Jahre hinweg CO2 und bindet dieses langfristig. Im Durchschnitt wird mit 1o kg CO2-Bindung pro Baum pro Jahr gerechnet. An einem einzigen Tag kann ein großer Baum bis zu 37o l Wasser aus dem Boden aufnehmen und in die Atmosphäre freisetzen. Die Blätter der Bäume fangen zudem Wasser in Form von Regentropfen auf. Dieses Wasser verdampft anschließend und verursacht durch große Wolkenbildung andernorts neuen Niederschlag. Dieser Prozess verursacht im Jahresdurchschnitt rund 4o % unseres Regens.

Bäume nehmen nicht nur CO2 und andere Treibhausgase auf, sondern stoßen auch wertvollen Sauerstoff aus. Ein einzelner Baum kann bis zu 5 kg Luftschadstoffe im Jahr aufnehmen und im gleichen Zeitraum bis zu 13o kg Sauerstoff zu produzieren.

Soweit, so gut. Dieses Wissen kann sich jeder aus den einschlägigen Internetlexika herausziehen. Als Konsequenz an den Stadtrat gilt aber, dass also logischerweise alleenweise Großbäume gepflanzt werden müssen. Es ist in diesem Zusammenhang also reichlich unverständlich, wenn Discounter-Märkte Bonsaibäume zwischen den Parkreihen pflanzen müssen, die aber völlig unergiebig, da viel zu klein sind. Wieviel sinnvoller wäre es anstelle derartiger Minibäume zwei drei richtig große Bäume zu pflanzen, die auch Wirkung zeigten. Gleiches gilt für Neubaugebiete.

Die Stadt Landshut hat Jahre, ja jahrzehntelang, Bebauungspläne ausgewiesen und verschämt den Eigentümern zugemutet im Vorgarten, einem regelmäßig 3 m breiten Streifen, Bäume zu pflanzen. Bei den engen Straßenverhältnissen und kleinen Grundstücken nimmt es nicht Wunder, wenn die Hausbesitzer von einer Baumpflanzung Abstand nehmen und dort lieber Fahrräder, Mülltonnen oder Autos unterstellen. Die meisten derartiger Vorgärten sind darüber hinaus mit Sparten, wie Gasleitungen, Wasser- und Abwasserleitungen und Stromtrassen derartig vollgestopft, dass die Pflanzung eines Baumes mehr schadet als nützt.

Es ist wesentlich vernünftiger, die Planung zu modifizieren. Es sollte im öffentlichen Straßenraum etwas geschehen. Hier sollten Großbäume gepflanzt werden, die, da auf städtischem Grund, auch erhalten bleiben.

Schließlich bleiben die großen Straßenzüge in der Stadt. Es ist reichlich unverständlich, dass entlang der Luitpoldstraße auch lediglich kleine Exemplare oder gar keine Bäume gepflanzt sind. Die Sparkasse, als Bauwerber, hat für ihr ehemaliges Filialgebäude im Übrigen beantragt unter dem öffentlichen Straßenraum, genauer gesagt Gehsteig, Tiefgaragen unterzubringen, um für eine bessere Ausnutzung des Bauplatzes zu sorgen. Dies wurde seinerzeit mit der sicherlich richtigen Begründung abgelehnt, dass dann Großbäume im Straßenbereich nicht mehr gepflanzt werden könnten. Wie schön wäre es doch, wenn dieser hehre Wunsch umgesetzt würde und hier tatsächlich anstelle einer Tiefgarage ein großer Baum gepflanzt würde!

Bleibt schließlich auf den Tag des Baumes hinzuweisen, der bundesweit am 25.o4.19 „gefeiert“ wird. In der Stadt Landshut findet er am 1o.o4.19 um 9.3o Uhr auf der Ringelstecherwiese statt. Hier wird unter Mitwirkung der Grundschule Karl-Heiß eine Flatterulme gepflanzt. Die Flatterulme ist die einzige mitteleuropäische Baumart, die Brettwurzeln ausbildet, die vor allem für Bäume im Regenwald typisch sind.

Ich musste nachsehen was eine Brettwurzel ist, ich hoffe Ihnen ergeht es ähnlich.

Ich wünsche Ihnen ein geruhsames Wochenende

Ihr

Tilman v. Kuepach

Landshuter Mitte Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshutermitte.de