017 MORGENPOST – Braucht Landshut eine Gestaltungssatzung?

Braucht Landshut eine Gestaltungssatzung?

In allerletzter Zeit scheinen sich verschiedene Bauherren einen Sport daraus zu machen, gegen den Stachel zu löcken und Häuser auch im historischen Innenstadtbereich mit teils absonderlichen Details zu verunstalten. So hat ein Hotel, das vornehm ziegelrote Steildach in den Konzernfarben dunkelrot gestrichen, ein Malermeister verschönte sein Haus in einem Karolook aus verschiedenen Grüntönen. Schlussendlich gilt es als schick ein Innenstadthaus zu kaufen, in dem nur eine Familien wohnt, die aber natürlich zwei Autos mit absperrbarer Garage statt ehemaliger Laden- oder Gewerbeeinheit enthalten soll.

Hier gilt die erste Frage natürlich nach dem bestehenden Baurecht. Die Juristen erheben mahnend den Finger und erklären, dass das Bauordnungsrecht in der Regel technische Bauvorschriften enthält, die die Gefahrenabwehr betrifft. Ästhetische Gesichtspunkte werden allenfalls durch ein umgebungsbezogenes Verunstaltungsgebot normiert.

Verunstaltet der genannte Malermeister mit seinem Karomuster oder ist das dunkelrote Dach verunstaltend? Wohl kaum. Subjektiv ist der genannte Malermeister von seiner Handwerkskunst und den geometrischen Karos begeistert. Die Gesetzgeber haben dieses Dilemma gesehen und in ihren jeweiligen Landesbauordnungen bzw. auch im Bundesbaugesetz den Kommunen überlassen, hier ästhetische Gesichtspunkte selbst zu definieren.

Die Fraktion der Landshuter Mitte aus Dr. Maria Fick, Claudia Zehentbauer, Prof. Dr. Thomas Küffner, Hans-Peter Summer und Tilman v. Kuepach haben hier bereits Pionierarbeit getätigt und einen Entwurf einer Gestaltungssatzung, zusammen mit anderen Fraktionen, erarbeitet. Die Druckfassung liegt noch nicht vor, aber ein Geheimnis sei bereits heute gelüftet. Karomuster oder gestrichene Dachziegel wird es wohl in Zukunft nicht mehr geben. Macht man sich die Mühe nach Gestaltungssatzungen im Internet zu forschen, wird auch klar, dass es manche Kommunen extrem übertrieben haben. So wird beispielsweise Betonsteinpflaster in Hinterhöfen verboten und ausdrücklich die Verwendung von Naturstein verlangt. Das ist nicht unsere Intension. Wir wollen mit der Gestaltungssatzung Ausreißer beseitigen, die das Stadtbild, wie oben dargestellt, verunstalten. Eine derartige Gestaltungssatzung ist umso wichtiger, als auch auf die Verwaltungsgerichte nicht immer Verlass ist. Das Karomuster fand das Verwaltungsgericht Regensburg für nicht so verunstaltend, dass es anders hätte gestrichen werden müssen, wobei der Richter der Stadt Landshut einen Seitenhieb verpasste und selbst dazu aufrief eine Gestaltungssatzung zu erlassen. Andererseits wurde einem Bauwerber das Anbringen eines Edelstahlkamins an einer Seitenfassade untersagt, weil dieser nicht ins Stadtbild passte. Das hat das Verwaltungsgericht bestätigt.

Mit der Gestaltungssatzung wird eine einheitliche Linie geschaffen, die auch die in die Jahre gekommene Werbeanlagenverordnung ersetzen soll.

Landshut kann mit der Altstadt beweisen, dass alle Architekten/Baumeister sich in den vergangenen Jahrhunderten an ein Gesamtkonstrukt gehalten haben. Alle Häuser, gleichgültig, ob aus Gotik, Renaissance oder Historismus fügen sich noch heute harmonisch in das Stadtbild ein. Das gilt heute augenscheinlich nicht mehr, deshalb soll behutsam auch gestalterisch durch die Stadt reguliert werden. Einen Vorläufer einer solchen Satzung gab es sogar in alten Zeiten. Es war in Landshut verboten, Erker an Häusern zu errichten. Dieses Recht hatte nur das Rathaus. Diese Bauvorschrift wurde erst im 19. Jahrhundert aufgehoben.

Einen Erker, der älter ist, gibt es. (Alte Bergstr. 146, also zweites Haus rechts in der Strasse) Wie er es geschafft hat  zu überdauern, ist nicht geklärt. Vielleicht musste er als Standerker umgebaut werden…

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Tilman v.Kuepach

Landshuter Mitte Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshutermitte.de