018 MORGENPOST – Alles Theater

Alles Theater

Sie haben es mitbekommen, das ehrwürdige Landestheater Niederbayern residiert seit einigen Jahren im Theaterzelt am Messepark, da das historische Bernlochner-Gebäude schlicht baulich inakzeptabel ist. Würde in den Räumen bei vollem Spielbetrieb ein Brand ausbrechen, käme es zur Katastrophe.

Eigentlich sind sich in Landshut alle einig, dass das Theater nur dort, wo es seit je her beheimatet ist, wieder seine Spielstätte finden soll, klar ist auch, dass das eigentliche Theater aber für einen modernen Theaterbetrieb reichlich unpraktisch ist. Das Gelände des Bernlochner-Areals ist nahezu zu 1oo % bebaut und Denkmalsvorschriften engen einen Umbau mehr als gebührlich ein. 

Was hat es nicht auch Ärger gegeben, da der Erbbaupachtvertrag mit dem ehemaligen Eigentümer von der Regierung von Niederbayern für unwirksam erklärt wurde. Wie viele Jahre hat es dann gebraucht, bis die Stadtverwaltung endlich einen Konsens mit dem Eigentümer gefunden hat das Grundstück käuflich zu erwerben. Interessanterweise ist es aber dann ganz schnell gegangen. Das restliche nahezu freie Grundstück, im Südwesten konnte für einen erheblichen Kaufpreis hinzuerworben werden; der Weg war frei das sündhaft teure Innenstadtgelände zu bebauen. Der ausgelobte Wettbewerb fand einen eindeutigen Sieger. Das Architekturbüro Bächle-Meid, Konstanz, wurde zum klaren Sieger gekürt, so eindeutig, dass es im Wettbewerb keinen zweiten, sondern nur zwei dritte und einen vierten Preis gab.

Unabhängig von der städtebaulichen Gestaltung den neu erworbenen Garten zur Isar freizuhalten und sich dem Freiraum zur Ringelstecherwiese zu öffnen, ist die Verknüpfung von alt und neu der größte Gewinn für die Stadt. Wer heute eine Veranstaltung im Redoutensaal besucht, weiß um die engen Platzverhältnisse im Vorraum, sich ungestört unterhalten zu können, geht nicht. Die Verbindung des neuen Theatersaales (großes Haus) mit dem Bereich des Redoutensaales über einen großzügigen Gang, ist der tatsächlich echte Gewinn. Es kann wahr werden, was der Begriff „Bernlochner-Komplex“ eigentlich aussagt. Gleichzeitig ist der Entwurf der kompakteste und damit auch der kostengünstigste aller Wettbewerbsteilnehmer. 

Im letzten Bausenat und darauf folgend im Plenum wurden jetzt die neu ermittelten Kosten mit insgesamt 56 423 433,o2 € bekanntgegeben. Eine Summe, die schon nachdenklich macht. Interessanterweise haben gerade die Helden des Verschwendens jetzt Kopfschmerzen bekommen, die an anderer Stelle nicht genug davon haben, vermeintliche Bedürfnisse anderer Bevölkerungsgruppen zu decken. Bekanntermaßen hat aber der Freistaat versprochen 75 % der Baukosten zu bezuschussen. In der genannten Summe sind auch die Umbaukosten des altehrwürdigen Theaters sowie die Renovierungskosten der restlichen Bausubstanz enthalten.

Nun verfügt der Freistaat Bayern über eine etwas merkwürdige Mathematik. 25 % jener Summe ergäben aber nur etwas mehr als 14 Mio. €, tatsächlich verbleiben aber der Stadt selbst zu finanzierende Kosten von 16 Mio. €. Die mathematische Differenz von 2 Mio. € ergibt sich unter anderem aus Kosten für Akustikbau, ohne die ein Theater zwar nicht leben kann, die aber der Freistaat Bayern als höchst unnötig ansieht. Besucher des Theaters im Münchner Gasteig werden hier weise nicken.

Die Fraktion der Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Prof. Dr. Thomas Küffner, Hans-Peter Summer und Tilman v. Kuepach begrüßen es, dass das Theater heimkommt. Bis Sommer 2o2o liegt nach Wunsch des Plenums eine Genehmigungsplanung vor, d. h., im Maßstab 1:1oo wird der Bauentwurf so ausgearbeitet sein, dass die Bauaufsichtsbehörde dem Um- und Neubau zustimmen kann. Beginnt der Bau im Oktober 2o22, wäre das Theater im Mai 2o25 fertig. Man darf gespannt sein, wie im Kommunalwahlkampf für das Jahr 2o26 dann die entsprechenden Protagonisten auftreten werden?

An dieser Stelle sei noch ein kleiner historischer Rückblick gestattet. Bereits kurz nach Ende des 2. Weltkrieges hatte das Theater in Landshut jeweils unabhängig von den übrigen niederbayerischen Städten den Spielbetrieb aufgenommen. Das Theater in Landshut musste 195o schließen, da finanzielle Probleme überhandnahmen. Man hat damals als  Grund die Währungsreform als verantwortlich gemacht. Im Februar 1952 wurde die Theaterarbeit durch den losen Verbund des niederbayerischen Städtebundtheaters mit Passau, Straubing und Landshut aufgenommen. Die ersten Theaterproduktionen wurden aber zugekauft, Landshut verfügte noch nicht über ein eigenes Ensemble. 1953 wurde dann das Südostbayerische Städtetheater gegründet. Ein Name, der sich 55 Jahre halten sollte. Listig war dann die Umbenennung im Jahre 2oo8 in Landestheater Niederbayern, da letztlich nur Theaterorganisationen mit diesem Namen dartun können, überregional tätig zu sein. Alle Landestheater Bayerns haben mehr als großzügig Förderungen durch den Freistaat erhalten, die das Städtetheater nie erhalten hätte, einmal von dem Unvermögen des Freistaates zur mathematischen Genauigkeit abgesehen. Bereits seit 1953 wurden die beiden Abteilungen in Landshut und Passau mit Schauspielabteilung bzw. musikalischer Abteilung definiert.

Wir sind stolz auf das Theater in Landshut, das wegen seines oft sehr ambitionierten Spielplanes überregionale Aufmerksamkeit findet. Teilweise werden Werke aufgeführt, die in der Fachpresse als absolute Raritäten bezeichnet werden. 

Viele Menschen in der ganzen Welt verbinden mit Landshut an erster Stelle Eishockey oder Landshuter Fürstenhochzeit. Viele kulturell Interessierte, in München beispielsweise, kennen aber unser Theater in Landshut sehr gut und besuchen regelmäßig Aufführungen. Die Landshuter Mitte sieht das Theater als Markenzeichen eines Oberzentrums an. Mit den Burgenfestspielen Niederbayern am Prantlgarten müsste es möglich sein, auch mittelfristig Touristen an Landshut zu binden.

Zu einem Oberzentrum gehört nicht nur der Ausbau von Schulen, das Pflegen von Sport und Freizeit, sondern auch eine vernünftige Förderung der Kultur.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Ihr

Tilman v. Kuepach

Landshuter Mitte Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshutermitte.de