MORGENPOST – Die Perlen der Stadt Landshut

Die Stadt hat viele Perlen, die Hochschule, die Menschen in der Stadt, viele schöne Bauwerke, klar aber auch ein paar versteckte, wie zum Beispiel die Keramikfachschule. Sie wird noch bis zum Sommer von Annette Ody, einer streitbaren Kämpferin für ihre Schule geleitet. Und damit beginnt die Misere. Da Frau Ody auch großen Mächten, sprich dem Kultusministerium gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt, soll ab dem neuen Schuljahr die verwaltungsmäßige Leitung der drei Schulen in der Keramikschule nun die staatliche Fachoberschule Schönbrunn führen. Die Keramikschule soll nur mehr einen künstlerischen Leiter erhalten, der sich aber in die Geschicke der Schule nicht mehr einzumischen hat. Das Ministerium liebäugelt auch hier der Schule einen Leiter zu verpassen, der sein Augenmerk auf das Design, nicht aber auf den künstlerischen Entwurf setzen soll. Frau Ody war natürlich empört und sah ihr Lebenswerk zerstört. Auf die Frage an den wichtigen Menschen im Ministerium wieso denn diese Perle so amputiert werden solle, wurde ihr lapidar zur Antwort gegeben, dass dies der Beamte so wolle.-

Wir die Mitglieder der Landshuter Mitte Fraktion, Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v. Kuepach haben uns in dieser Woche die Schule angesehen um Hintergründe zu erfahren.

Die Schule wurde als königlich bayerische Töpferschule in den 1870er Jahren gegründet und überstand sogar die Nazizeit unbeschadet. Heute vereint sie die Ausbildung im dualen System als Berufsschule III in Landshut. Daneben können sich junge Menschen, Frauen seit 1929, für die Fachschule bewerben. Hier gibt es keinen Lehrherrn, sondern die Schule bildet praktisch und theoretisch aus. Der Besuch ist kostenlos, es muss aber eine Aufnahmeprüfung absolviert werden. Von 80 Bewerbern können auch nur 28 einen solchen Ausbildungsplatz erhalten. Und dann gibt es noch die Meisterschule. Auch hier drückt das Fehlen einer Pflicht zum Meisterpflicht zur Selbständigmachung. Bekanntermaßen wurden im Jahre 2003 nur 41 Berufe gerettet. 53 Berufe, wie Fliesenleger, Brauer oder Estrichleger brauchen überhaupt keine Ausbildung. Auch der Keramiker gehört hier dazu. Die Meisterschule ist aber enorm wichtig. So haben viele Studien bewiesen, dass der selbständige Meister im Beruf wesentlich erfolgreicher ist, als sein Kollege ohne diese Ausbildung. Vom Pfusch am Bau gar nicht zu reden.

Die rückläufigen Zahlen der Meisterschule für die der Staat mit dem Verzicht auf die Meisterpflicht selbst gesorgt hat, werden auch mit Argusaugen beobachtet.

Nun ist dies aber kein Grund die Perle „Keramikschule“ vor die Hunde gehen zu lassen. Landshut ist Sprengelsitz für Keramiker auch für Baden-Württemberg und Thüringen und wäre jederzeit in der Lage auch die übrigen Bundesländer aufzunehmen. Das wäre ein vernünftigeres Betätigungsfeld für den Freistaat, als unsere Schule auszuhungern.

Landshut ist zu Recht Sitz der Ausbildungsstätte für Keramiker. Denken Sie nur an die Kröninger Ware, die in der Umgebung hergestellt wurde. Heute sind diese Waidlinge, Haferl und andere Gebrauchsgegenstände aus Ton ein kleines Vermögen wert. Vor 200 Jahren in der plastiklosen Gesellschaft musste nahezu alles aus Naturprodukten hergestellt werden. Die Kleinbauern im Kröning hatten fast ein Monopol mit ihren Produkten. Sie wurden im Rucksack zu Fuß oder auf Pferdegespannen bis weit ins heutige Italien exportiert. Welche Kunstfertigkeit dahinter stand, kann im Heimatmuseum Vilsbiburg bewundert werden.

Keramik ist und war der Ausdruck für menschliche Kultur schlechthin. Die Archäologen bestimmen und benennen noch heute Kulturzeiträume nach der speziellen Keramik.  So war unsere Region Namensgeber für die Altheimer Kultur eine “Kulturerscheinung” des späten Jungneolithikums zwischen 3800 v. Chr. und 3400/3300 v. Chr. Seit dieser Zeit  wird nachweislich in Landshut und Umgebung Ton zu Keramik verarbeitet.

Die Landshuter Mitte wird im Stadtrat einen Antrag einbringen, dass sich die Stadt und der Oberbürgermeister für die Schule und den gesicherten Erhalt einsetzen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshutermitte.de