MORGENPOST – Honos oder munus, oder das (mögliche) Ende der Gesellschaft

Wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt, bedeuten die Worte „Ehrenamt“ bzw. Last oder Bürde. Gemeint ist aber eine feststehende Redewendung, die uns im Hans-Carossa-Gymnasium wie ein Fanal vorgehalten wurde. Irgendwann in spätrömischer Zeit, hatte keiner mehr Lust Ehrenämter, wie vergleichbar einem Gemeinderat oder Bürgermeister zu übernehmen. Zu groß waren die Anfeindungen der Menschen gegen die Verwaltung geworden, dass man die Ämter zwangsverpflichten musste. Aus einem honos, einem Ehrenamt wurde eine Last. Nach unseren Lehrern war das das Anzeichen für den Untergang der römischen Zivilisation. In dem Moment, in dem sich selbst die Repräsentanten des Staates nicht mehr mit ihm identifizieren können und in dem es für den „Normalbürger“ keine Ehre mehr ist, solch ein Amt auszuüben, wird der Staat in sich aufhören existieren zu können. Unsere Lehrer hatten mit der Staatsidentifikation natürlich auch die vergangene Weimarer Republik im Auge. Viele Lehrer hatten noch Kriegserfahrungen und alle waren beseelte Demokraten. Wir Schüler freuten uns hingegen in der Nach 68-er Zeit auf viele gewonnene Freiheiten und konnten die Warnung jedenfalls nicht auf die Bundesrepublik übertragen.

Sie werden es gelesen haben. In zwei Drittel aller bayrischen Kommunen hören Bürgermeister und Gemeinderäte bzw. Stadträte auf. Nicht aus Altergründen, sondern entnervt. Die Leute beschweren sich über alles. Für alles sind die Kommunalpolitiker verantwortlich, selbst dafür, dass der Missstand vom Betroffenen selbst verursacht wurde. Wir als Stadträte sind vor allem auch unserem Gewissen und der Verfassung unterworfen. Unterzeichner z.B. wurde vom einem Bauwerber auf das Unflätigste beschimpft, weil er einem Bauvorhaben, das nicht genehmigungsfähig ist auch nicht zustimmen wollte. Sie können sich umhören, das ist mittlerweile die Regel. Nur wer völlig angepasst, nur brav die Hand hebt, hat die Chance hier ungeschoren davon zu kommen.

Uwe Brandl, der Gemeindetagspräsident hat das so schön in einem Gespräch formuliert.

Da kauft einer in Kenntnis der Planungen einen Baugrund für ein normales Einfamilienhaus und wenn er dann kein Mehrfamilienhaus oder keine Toskanavilla hinstellen dürfe, dann geht es beim Klingelputzen los und reiche über Unterschriftenlisten, Petitionen und Klagen bis hin zu Drohungen.

Von dem was die Menschen in den sozialen Medien und nur per email von sich geben, hat Uwe Brandl noch gar nicht gesprochen. Die Anfeindungen gehen hin bis zu Morddrohungen.

Es war auch kein empörter Aufschrei in der Gesellschaft zu vernehmen, als der Kasseler Regierungspräsident, der sich immer wieder gegen die Pegida wandte, erschossen wurde.

Die Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach dankt Walter Lübcke ausdrücklich für seinen Mut und wir denken an ihn, als einen wahren Verteidiger unserer Republik. Wir werden auch nicht umhin kommen, die Äußerungen im „Netz“ stärker strafrechtlich würdigen zu lassen. Die CDU-Chefin hat sicher Recht, wenn sie fordert, dass die normalen Spielregeln von gesprochenem und geschriebenem Wort auch in den sozialen Netzwerken eingehalten werden müssen. Das Internet kann kein rechtsfreier Raum sein.

Wir haben jetzt 74 Jahre Frieden in Europa. Das ist in allererster Linie unserer Bundesrepublik zu verdanken, die in den letzten Wochen ihr 70.Geburtstagsfest gefeiert hat. Wollen wir das alles so leichtfertig auf’s Spiel setzen? 

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Ihr   

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte 
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