MORGENPOST – Was ist bürgerlich?

Die Mitglieder der Landshuter Mitte im Stadtrat aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach haben eines gemeinsam. Sie definieren sich und den Verein  der Landshuter Mitte als konservativ.

Sie werden sich fragen, was denn die plötzliche Selbsteinschätzung bedeuten soll und warum ein so eindeutiges Bekenntnis zu einer Gruppierung ohne Wenn und Aber erfolgt?

Liest man im allgegenwärtiges Internet-Lexikon Wikipedia zu dem Begriff nach, wird eine Definition heruntergerattert, die zu verstehen ein Soziologiestudium erforderlich macht. Worthülsen wie „Reformulierung der Gedankenwelt der societas civilis“ oder Haltung in einer spezifischen historischen Situation, lassen einem die Lust an der Kommunalpolitik vergehen. Wir verstehen uns als eine Gruppe, die zunächst voller Hochachtung und mit großem Staunen zur Kenntnis nimmt, wie unsere Stadt über die Jahrhunderte sich entwickelt hat mit einem Stadtbild, das zu den schönsten der Welt gehört. Zu dem Staunen gehört auch, dass sich beispielsweise Thomas Küffner gefreut hat, dass unter seinem Haus in der Neustadt alte Mauerreste gefunden wurden, die zu nachhaltigen Spekulationen führen, was denn am gleichen Ort früher einmal gestanden hat. Dann ist es auch egal, wenn die Archäologen anrücken, die Zentimeter für Zentimeter mit dem berühmten Teelöffel dort Ausgrabungen vornehmen.

Die Vergangenheit war dabei nicht immer rosig, auch vor Hunderten von Jahren gab es Habgier und Neid. So schreibt  Klaus-Dieter Alicke in seiner Geschichte über die europäischen Juden im Artikel Landshut: Die Landshuter Juden lebten ghettoartig zunächst außerhalb der Stadtmauern direkt am Burgberg, nach der Stadterweiterung innerhalb des Mauerrings; nachts wurde ihr Wohnbereich durch Ketten abgesperrt. Zwischen 1412 und 1450 lassen sich 14 Häuser im Besitz von Juden nachweisen. Synagoge und Mikwe grenzten an die Wohnhäuser. Die Begräbnisstätte der Landshuter Juden befand sich am Hofberg. Mit dem Herrschaftsantritt Herzog Ludwigs IX. d. Reichen im Jahre 1450 trat eine Wende in der Judenpolitik ein: er ließ die jüdischen Familien aus Landshut zunächst gefangensetzen und anschließend vertreiben, nicht ohne ihnen zuvor noch eine Steuer von 30.000 Gulden aufzuerlegen; nur wer sich taufen ließ und auf seine finanziellen Forderungen verzichtete, durfte in der Stadt verbleiben. Die meisten Vertriebenen ließen sich vermutlich in Regensburg nieder.

Der Friedhof kam in christlichen Besitz. Die Synagoge wurde zur Salvatorkirche umgewandelt; der Platz vor der einstigen Synagoge hieß fortan „Dreifaltigkeitsplatz“; die Kirche wurde im Zuge der Säkularisation 1810 abgerissen. Heute steht an der Stelle das Standbild des Herrschers, der einst die Juden vertreiben ließ! In den folgenden Jahrhunderten gab es in Landshut keine jüdische Gemeinde mehr. Erst nach 1850/1860 zogen wieder jüdische Familien in die Stadt, ohne dass es zur Bildung einer selbstständigen Gemeinde kam.

Es gab den schlimmen Dreißigjährigen Krieg, Pest und Seuchen, die Nazizeit und was nicht alles mehr, was einem an der Menschheit verzweifeln lassen kann.

Wir wollen aber verstehen, wie das Zusammenleben von den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen funktioniert hat und wie es heute klappen kann, ohne dass es zu nennenswerten Konflikten zwischen den 138 Nationen, die in der Stadt wohnen, kommt.

Konservativ sein heißt also aus der Vergangenheit lernen, Fehler vermeiden und das was aus der Vergangenheit sich als Gut in die Jetztzeit transportiert hat, auch zu bewahren. Gleichzeitig gibt es tausende von neuen Herausforderungen zu bewältigen. Die Mobilität in der Stadt muss für Jeden gewährleistet sein, gleichgültig ob zu Rad zu Fuß, oder im Rollstuhl, auch wenn es keine fossilen Brennstoffe mehr gibt.  Wir müssen versuchen, die uns leihweise zur Verfügung gestellte Schöpfung zu bewahren und nicht auf Kosten der nachfolgenden Generationen zu leben.

Wenn also ein sich selbst designierender Oberbürgermeister es schade findet, dass die bürgerlichen Parteien im Stadtrat nicht zusammenhalten, dann meint dieser Herr wohl, dass er es bedauert, dass nicht alle nach seiner Pfeife tanzen. Auch ist der Begriff “bürgerlich“ wohl nicht angebracht. Ein Wähler der Grünen oder der SPD wird wohl ebenso ein Bürger dieses Landes sein.

Ich spreche aber diesem Herrn das Recht ab, sich als konservativ zu bezeichnen. Ideen, wie man aus dem Alten etwas Neues Gutes macht, hat dieser Mensch mit seinem ganzen Dreamteam nicht.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte 
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer 
Neustadt 532-533
84028 Landshut
info@landshuter-mitte.de

www.landshuter-mitte.de