MORGENPOST – Fallpauschale und beste Behandlung

Das Plenum des Landshuter Stadtrates hat allerdings nichtöffentlich mit dem neuen Geschäftsführer über die weitere Zukunft des Klinikums getagt. Sie als interessierte politische Personen haben schon das eine oder andere aus der Tagespresse entnommen, was etwas verwundert, da strikte Geheimhaltung vereinbart wurde.

 Wie immer im Leben, treffen Informationen meist gehäuft auf. Ein Thema, das en vogue ist, wird eben von vielen Seiten gleichzeitig beleuchtet. So hat die Bertelsmann Stiftung in der allerletzten Zeit eine Klinikstudie veröffentlicht, die es unumgänglich bezeichnet, dass 50% aller deutschen Kliniken geschlossen werden müssten, um rentabel und für den Patienten besser arbeiten zu können.

Gleichgültig, ob diese Studie ein wenig anrüchig ist, da Frau Dr. Brigitte Mohn nicht nur im Vorstand der Bertelsmann Stiftung sitzt, sondern zugleich Mitglied des Aufsichtsrats der Rhön-Privatkliniken AG ist, eine Aktiengesellschaft also, die ein direktes finanzielles Interesse an der Schließung öffentlicher Krankenhäuser haben könnte. Schon jetzt gehört die Rhön Kliniken AG zu den großen Playern in Deutschland und erwirtschaftete 2018 einen Gewinn von rund 51,2 Millionen Euro, fast 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Ein böser Geist könnte jetzt gut argumentieren, dass nach Schließung dann die Fa. Rhön dann großherzig in die Bresche springen könnte.

Aber leider ist an der Studie auch etwas dran. Die Qualitätsunterschiede sind immens hoch. Je mehr Fälle der gleichen Art ein Krankenhaus zu operieren hat, desto geringer sind die Komplikationen nach der Operation. Besonders bemerkenswert sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Kliniken, erklärte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. So liegt der Analyse zufolge im besten Viertel der Kliniken der Anteil der Patienten mit Komplikationen unter 3,23 Prozent (jeder 31. Patient), während das Viertel der Kliniken mit den schlechtesten Ergebnissen eine Komplikationsrate von 7,88 Prozent aufweist, das ist jeder 13. Patient.

Gleichzeitig erhöhen die Krankenkassen im engen Spiel mit dem Bund den Druck auf die Klinikbetreiber. Die sog. Fallpauschalen zu der das Krankenhaus abrechnen kann, sinken regelmäßig. Z.B. für eine Blinddarm-OP rechnet das Klinikum nur mehr rund 260 € ab.

Dieses duale Verhältnis zweier großer Kliniken ist bekanntermaßen in Landshut extrem ausgeprägt. Hier der Landkreis, der sein Achdorfer Krankenhaus als Prestigeobjekt hätschelt und dort das städtische Klinikum, das eigentlich in der Versorgungsstufe weit höher rangiert.

Der Landkreis hat keine Schulden, er refinanziert sich durch die Kreisumlage, das heißt jede Gemeinde des Landkreises hat einen bestimmten Prozentsatz zum Haushalt beizutragen und wenn das Krankenhaus Miese schreibt, ja dann wird eben die Kreisumlage um einen kleinen Promillesatz erhöht.

Die Stadt hat alles allein aufzubringen und auch den Neubau der Bettenhäuser in den nächsten Jahren zu stemmen, was die Stadt in Summe um die 80 Mio € kosten wird und die Zuschüsse schon eingerechnet sind. Versprochen hat der neue Geschäftsführer das neue Defizit immer bei 4 Mio pro Jahr zu halten. Von einer schwarzen Null oder gar einem Gewinn, ist keine Rede mehr. Verblüffend ist nur, dass die oben gescholtene Rhön AG ein dickes Plus schreibt, wie auch viele Krankenhäuser im Osten der Republik. Warum ist auch klar, sie sind allein auf weiter Flur und haben keine Konkurrenz.

Das laute Geschwätz einiger, dass sie eine Fusion mit dem Landkreis bevorzugten, entlarvt sich schnell. Zu einer Fusion gehören beide Parteien und wenn eine Seite  par tout nicht will, kann man diesen Wunsch auch schnell begraben.

Es wird also möglicherweise darauf hinauslaufen, dass zwei sich ein Duell liefern, wer länger aushält. Dass dies unvernünftig ist und, dass der Patient leidet, siehe oben, ist keine Frage.

Die Mitglieder der Landshuter Mitte im Stadtrat aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach setzen darauf, dass sich nach der Kommunalwahl am 15.03.2020 doch die Vernunft durchsetzt und ein gemeinsames Vorgehen mit dem Landkreis möglich ist. Klar ist nämlich, dass die Stadt, nach dem Willen der LM keine gegenseitige Hochrüstung der Krankenhäuser zulassen wird.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte 
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer 
Neustadt 532-533
84028 Landshut
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