MORGENPOST – Die Vertriebenen

Landshut hatte am 17.05.1939, also vor Ausbruch des 2. Weltkrieges 36.853 Einwohner und am 31.12 1946, nach Schaffung einer wieder einigermaßen normal funktionierenden Verwaltung 44.262 Einwohner.

Diese beiden Zahlen spiegeln in ihrer nüchternen Aussage unglaubliches Leid wieder. Nach Schätzungen verloren von 1939 bis 1945 rund 5000 Menschen ihr Leben, also ist die Differenz der Zahlen mit 13 000 irrsinnig hoch. Allein zwischen dem 1. Halbjahr 1946 und dem Februar 1947 wurden in Landshut 9191 Flüchtlinge aus den Ostgebieten registriert. 

Über die Not dieser Menschen, die alles verloren hatten und nur ihr Leben und Habe auf einem Leiterwagen retten konnten, berichtet die Chronik der Vertriebenen in Landshut 1945 bis 1987. Das Buch wurde 1991 von Dorothea Götz geschrieben und von der Stadt Landshut herausgegeben und liest sich wie ein Krimi. Wie sind die Landshuter mit den Neubürgern umgegangen? Wo waren diese untergebracht und unter welchen Verhältnissen? Letztere spotten jeder Beschreibung. In der Unterkunft Jägerwirt wohnten 24 Menschen in einem großen Zimmer ohne Schrank mit einer Waschschüssel. Es kam noch schlimmer. Der Winter 1947 auf 1948 war extrem hart. Brot gab es nur bis Januar!

Die Isarpost schrieb aber dazu am 11.11.1948, also nach der Währungsreform: 

Auch hier wird die Zeit ihre heilenden Wunder vollbringen und eines Tages wird die Fehde zwischen Alt- und Neubürgern der Vergangenheit angehören, die – wie so vieles – aus dem traurigen Erbe des Hitlerismus überwunden wurde.

Wie Recht der Journalist doch hatte, und welches Glück im Nachhinein die Ansiedlung der Schlesier, Pommern, Sudetendeutschen und Ostpreußen für unsere Region war, zeigt sich heute noch an den vielen Nachfahren der Flüchtlinge, die Handwerksbetriebe, Geschäfte betreiben und selbstständig sind. Es hat mal einer gesagt, dass erst mit den Flüchtlingen aus dem Agrarland Niederbayern das wurde, was es heute ist. 

Die Landsmannschaften der ehemaligen Deutschen in den Ostgebieten, also auch die Siebenbürger Sachsen und weitere Organisationen dürfen das ehemalige Vermessungsamt in der Freyung als Haus der Heimat benutzen, besser gesagt, durften, denn das Haus ist eigentlich nicht mehr nutzbar. Es weist seit dem Abbruch des Anbaues der als Multifunktionsraum genutzt wurde und dem Bau der Wohnanlage Königsfeldergasse derartige Risse auf, dass die Gefahr des Einsturzes nicht ausgeschlossen werden kann. Die Landsmannschaften dürfen vorübergehend einige Räume der Martinsschule benutzen, das ist aber insgesamt keine Dauerlösung.

Die Mitglieder der Landshuter Mitte im Stadtrat aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach meinen, dass die Stadt und auch der Landkreis Landshut wie auch der Bezirk Niederbayern es den Landsmannschaften schuldig sind, hier wieder Zustände herzustellen, dass wir stolz auf die Integration der damaligen Neubürger sein dürfen.

Diese Arbeit muss wegweisend für die Integration der ebenfalls peu à peu ankommenden Neubürger aus viel weiteren gelegenen Ländern der Erde sein..

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Ihr  

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte 
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer 
Neustadt 532-533
84028 Landshut
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