MORGENPOST – Straßennamen

Der einzige größere Ort, den ich kenne, ist Grafentraubach, der ohne Straßennamen auskommt. Die Hausnummer 477 befindet sich auch nicht neben 476, sondern hier geht es bunt durcheinander. Ohne Navi, ist man hilflos.

Städte, wie eben Landshut, hatten lange ein duales System. Es gab Straßennamen, aber die Häuser wurden aber in der damaligen Stadt durchgezählt, was sich bis heute erhalten hat. Die Altstadt, Neustadt, die Freyung mit den dazwischen liegenden Gassen, auch die Länd, ja der Stadtkern in den Grenzen der Stadtmauer wurde durchgezählt und zwar ganz raffiniert. Von München kommend, das erste Haus am Dreifaltigkeitsplatz links, hat die Hausnummer 1, dann das Bauzunfthaus die Nummer 2 und so fort bis zum Heiliggeistspital. Die Nummern laufen dann die Länd wieder „bergauf“ weiter, auch die Alte Bergstraße bis zum Hutertor hoch, die Altstadt rechts wieder hinunter und so weiter.

Klar Mozartstraße oder Narzissenweg, Watzmannstraße und Breslauerstraße erklären sich selber. Wie sieht es aber mit folgenden Straßen aus?

Die Edmund-Jörg-Str. war mir, bis wir dort das Haus Nr. 45 gekauft haben, völlig unbekannt. Der Name sagte mir gar nichts. Alte Hofbergler wussten um 1985, dass der Straßenabschnitt früher Kaminkehrergassl hieß. Auf einem Flohmarkt konnte ich später wohlfeil einen Stich mit dessen Gesicht erwerben, das einen hageren Mann mit Kneifer und Schnauzer zeigt. Edmund Jörg war Chef des bayerischen Staatsarchives in Landshut, wo er auch 82 jährig verstarb. Er war Mitbegründer der Patriotenpartei und von 1866 bis 1881 für seine Gruppe Mitglied des bayerischen Landtages. Jörg war bayrisch, katholisch und konservativ (eigener Anspruch) und setzte sich vehement gegen den Beitritt Bayerns zum Deutschen Reich ein. Otto v. Bismarck konnte ihn deshalb nicht ausstehen, da Jörg rhetorisch sehr versiert war. Es existiert eine Tonaufnahme von ihm, die in der grandiosen Landesausstellung um Ludwig II auf Herrenchiemsee zu hören war, mit der erklärt, dass ein so großes Deutsches Reich mit den Milliardenforderungen Frankreich gegenüber nach dem Krieg 1870/71 zwangsläufig in einen verheerenden Krieg schlittern würde. Er war dann auch noch einer der angesehensten Reichstagsangehörigen von 1874 bis 1878. Was hätte sich ergeben, wenn sich Edmund Jörg durchgesetzt hätte?

Der Dreifaltigkeitsplatz ist allgemein bekannt. Er hieß pflichtschuldigst von 1933 bis 1945 Adolf-Hitler-Platz. Der Name Dreifaltigkeitsplatz kommt von der St. Salvatorkirche her, die früher dort stand, wo sich heute die Begrenzungsmauer des Burghanges nebst Trafostation befinden und wo in nicht allzu ferner Zukunft Autos aus der neuen Tiefgarage quälen sollen.

Die Kirche war bis 1450 die Synagoge der Stadt. Um den Platz und den Nahensteig war das Judenviertel der Stadt, und auch die Handwerker der Burg haben hier gewohnt. Damals gab es keinen Platz, sondern ganz enge Gassen, die noch erkennbar sind, wenn Sie vom Münchner Tor kommend links die Treppe, bzw. den steilen Fahrweg ansteuern. Wo heute das Brüstungsgeländer ist, waren schon wieder Häuser. Es blieb also allen Fuhrwerken und den Fußgängern damals nur der schmale steile Weg in die Stadt.

Die Feuerbachstraße ist nach dem sehr streitbaren Juristen Paul Anselm von Feuerbach und nicht nach seinem noch berühmteren Sohn Ludwig Andreas Feuerbach, der immerhin in Landshut geboren wurde, benannt, Paul Anselm war bekannt für starke Sprüche, wie z.B. Der Fehler ist die Reaktion der Natur gegen die steife Regel der Moral. Nein, er war Uniprofessor in Landshut und der Schöpfer des modernen Strafrechtes mit Abschaffung der Folter. Er hat das Bayerische Strafgesetzbuch von 1813 geschrieben  mit einem Nikolaus Gönner und sich um Kaspar Hauser bemüht, über den er ein Buch schrieb. Seine Familie lebte im Haus Neustadt 467. Am 23.09.1805 kam es zu einem dramatisches Zusammenstoß mit jenem Herrn Gönner, der schwer verletzt wurde. Paul Anselm floh aus Landshut um nicht verhaftet zu werden. Da er aber so wichtig war, verzieh ihm der Staat und er konnte an seinem Gesetzbuch weiter arbeiten.

Es gäbe noch viele Geschichten um Straßennamen, aber die Fraktion der Landshuter Mitte im Stadtrat aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach denkt sehr profan darüber nach, ob nicht Sponsoren in Landshut, die viel Geld für einen guten Zweck spenden, wie dies in Amerika gang und gäbe ist, mit einem Straßennamen zu ehren. Mein Berufskollege Walther Gagg hat einen ganzen Kindergarten mit seinem Erbe bezahlt und wurde unter anderem dafür mit dem Walther-Gagg-Weg geehrt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte 
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