MORGENPOST – Landshut und die Parkscheibe

Die Parkscheibe wurde nicht in Landshut erfunden, sondern von dem Polizeipräsidenten des Bezirkes Kassel, dem Juristen Heinz Hille. Kassel war wie alle Städte in der jungen Bundesrepublik stark gewachsen und hatte erhebliche Probleme den Parksuchverkehr einzudämmen. Das Aufstellen von Parkuhren hat der Stadtrat der Stadt Kassel abgelehnt, da sonst die schönen neuen Fassaden der Nachkriegszeit durch die Parkuhren verschandelt würden.

Parkuhren und Parkscheiben haben aber einen unmittelbaren Landshut Bezug. Die Parkscheibe wurde in Landshut als zweiter Stadt nach Kassel und als erster Stadt in Bayern bereits 1961 eingeführt, also weit vor München oder den anderen Metropolen.

In Landshut gab es zur Regelung von Kurzparkzeiten aber auch Parkuhren, die in der Alt- und Neustadt postiert waren. Typisch niederbayerisch, so konnten sich aber die Landshuter nicht damit abfinden schönes Geld nur deshalb ausgeben zu müssen, das Auto abzustellen. Wie glücklich traf es sich, dass anstelle von 50 Pfennigstücken, die gleichgroßen österreichischen 10 Groschen Stücke ebenfalls eingeworfen werden konnten. Im Übrigen hat sich diese damalige Missbrauchsmöglichkeit wie ein Lauffeuer in der Stadt herumgesprochen. Städtische Angestellte haben dann säckeweise 10 Groschen Stücke zur Sparkasse gebracht. Ob diese dann gerollt und wieder an bedürftige Landshuter abgegeben wurden, oder ob sie nach Österreich verschickt wurden, ist nie richtig aufgeklärt worden. Jedenfalls konnte bis zur Demontage der Parkuhren in der D-Mark Zeit weiterhin mit 10 Groschen bezahlt werden.

Parkscheibe und Parkuhr sind den Bereichen der knappen Parkflächen und aufgrund elektronischer Systeme weitgehend verdrängt worden. Man muss am Automaten ein entsprechendes Ticket ziehen.

Landshut ist im Übrigen auch dafür bekannt, dass bei Parkzeitüberschreitung recht grimmig kontrolliert wird. München will im Übrigen in der absoluten Innenstadt einen noch viel restriktiveren Kurs einschlagen. Momentan werden die Parkzeiten von 7:00 Uhr – 23:00 Uhr mit 3 € pro Stunde berechnet und die Stadtverwaltung hat aber bereits eine Vorlage ausgearbeitet, dass diese Preise bis auf 5 € pro Stunde steigen sollen. In Landshut hingegen haben wir in der Innenstadt noch fast paradiesische Zustände, da nur von 09:00 Uhr – 19:00 Uhr abkassiert wird.

Wir, die Fraktion der Landshuter Mitte im Stadtrat, aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v. Kuepach, erinnern zum einen daran, dass die Stadt eine riesige Chance verpasst hat als nicht unserem Vorschlag gefolgt wurde, die Neustadt vor Einbau des neuen Pflasterbeleges zu unterhöhlen und hier eine Parkgarage zu errichten. Gerade für die Innenstadthändler, die von den Internetkonzernen heftig gebeutelt werden, ist es zwingend erforderlich, dass Parkplätze in unmittelbarer Nähe der Geschäfte vorhanden sind. Es gibt hier eine Faustformel, wonach in Klein- und Mittelstädten Wege über 200 Meter von Kunden nicht mehr akzeptiert werden. Wer also beispielsweise im City Center parkt, ist oft nicht bereit, bis zum Dreifaltigkeitsplatz zu laufen, um dort ein Geschäft aufzusuchen. Gleichzeitig wollen aber, ebenfalls auf Initiative der Landshuter Mitte, auch Hauseigentümer ihre denkmalgeschützte Objekte wieder in den oberen Etagen mit Wohnungen versehen, sodass weiterer Parkraum für Anwohner von Nöten ist. Wir müssen uns also in der nächsten Stadtratsperiode von 2020 – 2026 intensiv mit dem Problem der Parkraumbewirtschaftung befassen. Zu überlegen ist zum einen, inwieweit nicht zumindest tagsüber, gegen Bezahlung selbstverständlich, Anwohnerparkplätze, die frei sind, auch von normalen Besuchern genutzt werden können, so ist dies beispielsweise auch in München möglich. Denkbar ist aber auch, dass Anwohnerparkplätze zentral gebündelt werden. Hier würde sich anbieten, dass der LVA Parkplatz an der Podewilsstraße mittel- bis langfristig ein Parkhaus erhält, das auch abschirmend gegen die rückwärtige Wohnbebauung genutzt werden kann. Wenn nicht nur auf einer Ebene sondern auf mehreren Etagen auf dieser Stelle geparkt werden kann, hat das also gleich mehrere Vorteile. Das Parkhaus selber, das entlang der Podewilsstraße entstünde, würde den Lärm zum Isargestade hin und zu einer möglichen weiteren rückwärtigen Bebauung mit Wohnungen abschirmen und es würde massiv Fläche gespart. Überlegenswert ist auch, ob die Stadt nicht endlich das Thema alte JVA in Angriff nimmt. Der Freistaat Bayern hat der Stadt ziemlich deutlich angeboten, dass die vorübergehende Nutzung zur Unterbringung von Flüchtlingen mit einem Baurecht von nur 10 Jahren versehen ist. Zwei jener 10 Jahre sind bereits vergangen, sodass die Stadt spätestens in 8 Jahren das Grundstück vom Freistaat übernehmen könnte. Die Stadt muss hier loslegen. Es wäre denkbar hier ein Parkhaus oder Parkdeck trotz Denkmalschutzes neben einer vernünftigen Nutzung zu errichten, um innenstadtnah weitere Parkräume anzubieten. Wir sehen nämlich eine erhebliche Gefahr darin, dass nach der Neugestaltung der Neustadt hier immenser Druck aufgebaut wird, weitere Parkflächen abzubauen und ersatzweise irgendwelchen sogenannten Eventveranstaltungen Raum zu geben.

Bei aller notwendigen Diskussion um Mobilitätskonzepte glauben wir nicht daran, dass auf absehbare Zeit der Individualverkehr so zurück gedrängt werden kann, dass nicht Parkflächen erforderlich sind. Der große Unterschied zwischen Kommunalpolitik und großer Politik besteht darin, dass möglicherweise die Antriebsart des Autos von fossilen Brennstoffen auf Elektroantrieb geändert wird, was aber an der Anzahl der Autos, die die Stadt verstopfen, nicht das Mindeste ändert . Das Problem für die Kommunen bleibt also gleich, sie hat genauso Sorge zu tragen, dass der Individualverkehr steuerungsfähig bleibt , gleich ob Elektrofahrzeuge oder PKW mit herkömmlichem Antrieb dann gefahren werden.

Die Landshuter Mitte bleibt dran.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende

Ihr

Tilman v. Kuepach 

 

Landshuter Mitte 
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
Ulrike Aigner, 2. Vors.
Hans-Peter Summer, 3. Vors.
Herbert Lanzinger, Schatzmeister
Wolfgang Perzlmeier, Schriftführer 
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84028 Landshut
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