MORGENPOST – bayerische Lebensart in Landshut

A guata Kirta geht bis zum Irder

Und taat er sich ned schicka, geht er bis zum Micker.

(hochdeutsche Übersetzung: Ein gutes Kirchweihfest geht bis zum Dienstag und wenn es sich nicht beeilt, dann dauert es bis zum Mittwoch)

Mein Freund Georg Huber, das Bollwerk der niederbayrischen Lebensart, gebürtig aus dem Rottal und ein begnadeter Grundschullehrer hatte schon vor Jahren damit zu kämpfen, dass die Kinder kein bairisch mehr konnten, was ihm in der Seele Leid tat. An Kirchweih oder kurz davor, stellte er diesen Reim vor und ließ ihn auswendig lernen. Welches Kind es auswendig hersagen konnte, bekam am Freitag vor Kirchweih keine Hausaufgabe. Er ließ es auch gelten, wenn ein Kind mit norddeutschem Migrationshintergrund eine noch so grausame Intonation des Dialektes versuchte. Und Kirchweih war früher der höchste Feiertag in Bayern, wie noch in Dingolfing der Fall.

Bei allem Optimismus, der mit dieser Episode verbreitet wird. Es ist leider Augenwischerei. Minderheitensprachen, zu denen auch das Bairische mit seinen Varianten zählt, sind langfristig nicht mehr zu retten, wenn sich die Gesellschaft weiter so rasant verändert. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft wohl noch beschleunigen. Vor diesem Hintergrund wirken Berichte etwa über den Erhalt der Walsersprachen und des Zimbrischen in Norditalien bis hin zum Schwäbischen eher wie ein Abgesang denn als Hoffnungsschimmer. Auch gibt es zuhauf  wissenschaftliche Referate, etwa über die Vorteile der individuellen Mehrsprachigkeit als Ressource im Bildungskonzept oder über mehrsprachige Identitäten und diese sind beeindruckend. Sie wecken das Gefühl, auf dieser Ebene ließe sich der Fortbestand einer Sprache noch regeln. Im Alltag werden diese Erkenntnisse aber nichts mehr bewirken. Das ist auch ein Problem aller Dialektvereine: Sie kreisen um ein Thema und um ein Projekt, das verloren ist. Das Bairische steht seit 2009 auf der Unesco-Liste der gefährdeten Sprachen. Nur noch zur Erläuterung. Das Y in Bayern wurde eingeführt um die Franken begrifflich zu integrieren. Die Dialektsprache meint aber natürlich den Bereich Altbaiern, also mit –i.

Mein Enkel, der letztes Jahr in die Grundschule Kondradin in Auloh kam, konnte richtig schön bairisch. Er bangte darüber, dass seine Spezerln aus dem Kindergarten auch mit ihm in eine Klasse kämen, was sie taten. Auch diese waren eines schönen Dialektes mächtig. Seit der 2. Klasse preisselt er wie ein Weltmeister. Kein bairischer Zungenschlag, nichts mehr.

Wenn sich die Gesellschaft weiterhin so rasant verändert, war die Prämisse, für das Aussterben der Dialekte. Wir die Fraktion der Landshuter Mitte im Stadtrat, aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v. Kuepach können Entwicklungen nicht aufhalten, die bundesweit ihren Lauf nimmt, aber wir können immerhin noch stolz darauf sein, bairisch zu sprechen und vielleicht wirkt das gute Beispiel zumindest dem Enkel gegenüber.

Das Schweizerdeutsche oder der Dialekt in Luxemburg sind interessanter Weise nicht gefährdet. Die Hochstilisierung zu echten Sprachen ist zwar linguistisch Unsinn, aber im und nach dem Krieg, war es in diesen Ländern ein probates Mittel sich von Deutschland und dem Naziregime abzugrenzen. Das hätte Bayern besser auch gemacht, aber die Geschichte verlief dann leider anders.

Der schönste Unterschied zum Hochdeutschen ist die Bemerkung eines Geigers der Philharmonie mit allen drei Varianten des Vokales „A“

Iatzt ist d’A aa a

(Übersetzung: Jetzt ist die A-Seite auch noch abgerissen.)

 

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte
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