MORGENPOST – Das Verschwinden der Kunstschätze

Sie haben es gelesen. Angeblich wäre aus den städtischen Kunstsammlungen eine Vielzahl von Objekten verschwunden. Ein Aufschrei in der ohnehin erregten Kunstszene Landshuts. Unser verehrter Herr Oberbürgermeister hat dann noch Öl ins Feuer gegossen und das Druckmedium ultimativ zu einer Gegendarstellung aufgefordert.  Die Zeitung hätte eine mehrseitige Rechtfertigung zu veröffentlichen, was dann auch halbherzig geschah.

Jetzt haben dann die städtischen Museen genau das Richtige getan und den Stadtrat zu einer Besichtigung der vier genutzten Depots eingeladen. Unumschränkte Königin dort ist Frau Anette Klöpfer, die seit mehr als 20 Jahren sich durch den auf sie gekommenen Bestand im wahrsten Sinn des Wortes gewühlt hat und für eine vorbildliche Ordnung sorgt. Es sind abertausende von Stücken vorhanden, die noch heute von Spendern ins Museum gebracht werden und dort auf ihre Museumstauglichkeit hin inventarisiert werden müssen.

Ihre größte Aufgabe aber war es zu Beginn der Arbeit alles was zum Teil in einem erbärmlichen Zustand war, zu restaurieren. So gab es Stühle deren Polster als Mardernest gedient hatten. Um es vorsichtig auszudrücken, waren die städtischen Depots eher suboptimal untergebracht.

Die Stadt hat vor rund 15 Jahren das Adelmannschloss verkauft und aus dem Erlös eine Viertelmillion in den Ausbau des Lagers im städtischen Bauhof gesteckt. Hier herrschen künstlich hegestellt klimatisch gute Bedingungen. Die Objekte sind zusätzlich in zwei großen Panzerzelten untergebracht , die wie eine Innenhülle die Objekte in der Halle ein zweites Mal schützen.

Wir, Dr. Maria Fick, Hans Peter Summer und Tilman v.Kuepach haben die Gelegenheit wahrgenommen, auch die drei weiteren Depots im Herzogsschloss, im Museum König im Hofgarten und im Neustadthaus zu besichtigen. Das Fazit ist klar. Das Team um Anette Klöpfer lebt für Ihre Museumsstücke. Der Vorwurf ist aus unseren Augen haltlos. So sind die angeblich aus den Museen verschwundenen Objekte der Archäologiesammlung in der Ausstellung in der Stadtresidenz auch zu besichtigen. Die  Zeitung ist sicher einer Ente aufgesessen, wie es halt auch einmal passieren kann. Wichtig ist jedenfalls, dass wir eine sehr engagierte Restauratorin haben, die sich vorbildlich um Ihre Aufgabe kümmert. Es ist ihre Lebensleistung das Depot der Stadt Landshut so gut in Schuss gebracht zu haben.

Zwei Dinge sind uns aber daneben aufgefallen. Die Stücke, die wir haben, können die Entwicklung der Stadt Landshut aus der Geschichte bis heute sehr gut dokumentieren. Absolute Spitzenkunst aber haben wir leider nicht, so wie es der Römerschatz in Straubing beispielsweise ist. Um Spitzenausstellungen in Landshut zu organisieren, sind wir auf Leihgaben angewiesen. Und uns wurde gezeigt, dass das Museum im Hofgarten heizungstechnisch problematisch ist. Die Heizung heizt, was ja löblich ist, aber sie ist nicht zu regulieren. Sie heizt und heizt… und diese Bedingungen haben professionelle Ausleiher von Kunst nicht gerne, die exakt definierte klimatische Bedingungen vorgewiesen haben wollen, bevor sie ihre Schätze herausrücken.

Das andere ist, dass die zahlreichen Museumsleute, die uns auf der Besichtigungstour begleitet haben, eine verschworene Gemeinschaft bilden. Sie mögen sich und sie arbeiten gerne miteinander. Es müsste doch möglich sein, die aufgeheizte Situation durch eine Mediation zu entschärfen und zum Wohle der Stadt Landshut hier wieder Frieden einkehren zu lassen?

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

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