MORGENPOST – Energie für Landshut

Sie haben die Auftritte der Mächtigen in Davos mitbekommen. Donald Trump versus Greta Thunberg, die sich als Antipoden geben. Aber wie jemand so schön formuliert hat, Zwillinge im Geiste sind. Jeder reklamiert für sich im Besitz der allein selig machenden Wahrheit zu sein. Beide prallen mit voller Energie aufeinander. Kein Millimeter an Argumentationsmöglichkeit wird nachgegeben, eine irgendwie geartete versöhnliche Geste, geschweige denn den Argumenten des jeweilig anderen zuzuhören, ist schon ein Verrat an der eigenen Sache.

Unsere bedächtige Bundeskanzlerin hat sich augenscheinlich auf die Seite der Klimaaktivisten geschlagen. Sie propagiert den Abkehr von der Industrie und dem Individualverkehr, wie wir ihn bisher kannten, obwohl letztlich niemand weiß, wie die energiefressende menschliche Gesellschaft ohne Krieg um Ressourcen führen zu müssen, dies bewältigen soll.

Wir, die Mitglieder der Fraktion der Landshuter Mitte aus Claudia Zehentbauer, Dr. Maria Fick, Hans-Peter Summer, Dr. Thomas Küffner und Tilman v.Kuepach, wollen uns einmal die Energieversorgung von Landshut ansehen. Als treue Patrioten unterstellen wir ferner, dass wir Strom und Gas natürlich nur von den stadteigenen Werken beziehen.

Gas wird zu 100 % zugekauft, eine gewisse Befürchtung besteht ohnedies, dass auch diese Beheizungsart analog der Kohle in Verruf gerät, da die Verbrennung nicht wenig CO² ausstößt. Die Stadt hat hier in gutem Sinne mit der Versorgung von Fernwärme in der Innenstadt und dem immer wieder geschmähten Biomasseheizkraftwerk zumindest einen Anfang für den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen geschafft. Dennoch ist der Verbrauch von Erdgas im Jahre 2018 auf ein Rekordhoch von 919 421 kWh gestiegen und zwar kontinuierlich und immer gleichmäßig (2014 noch 786 994 kWh) 

Anders beim Strom. Der Verbrauch ist trotz steigender Einwohnerzahlen wohl auf Grund verbrauchsärmerer Geräte im Jahre 2018 im Verhältnis zu den Vorjahren leicht gesunken. Im Jahre 2018 wurden in Landshut 485 839 MWh Strom verbraucht, aber nur 10 % in Landshut produziert, nämlich 49 090 MWh.

Allein 60 Prozent hiervon werden vom Maxwehr geliefert. Da gibt es eine schöne Geschichte hierzu. Anfang der 1950er Jahre war das Ende des 19. Jahrhundert erbauten, und 1930 von den Stadtwerken Landshut übernommene Wehr in die Jahre gekommen und lieferte kaum mehr. Der   damalige Oberbürgermeister Albin Lang plante den Neubau, wie er sich heute darstellt und stieß im Landshuter Stadtrat auf erbitterten Widerstand. Will uns der OB auf d‘Gant bringen, war die an ihn gerichtete Frage. Den Ausdruck versteht heute fast keiner mehr. Altbayrisch kommt wohl doch aus dem Lateinischen. Der Begriff „gant“ wurde vom Wort „quantum“ abgeschliffen, das der Auktionator im alten Rom rief, um zu hören, wieviel ein Käufer bieten wolle. Auf d’Gant kommen, heißt, zur Versteigerung bringen. Albin Lang wurde also geziehen mit dem Neubau des Maxwehres die Stadt zu ruinieren. Die städtischen Finanzen waren seinerzeit über die Maßen gesund, aber die Stadträte waren wohl damals sehr viel sparsamer als heute. 

90 Prozent des in Landshut benötigten Stromes muss ebenfalls fremd bezogen werden. Das ist momentan denkbar einfach, denn das KKW Isar II liefert noch bis 2022 zuverlässig. Die schönsten neu errichteten Photovoltaikanlagen und auch das Windkraftwerk in Weihbüchl reichen nicht ansatzweise aus den Energiehunger der Landshuter ausreichend zu stillen. Wir sind Lichtjahre davon entfernt, uns in Landshut selbst mit regenerativer Energie zu versorgen. Wenn dann alle Autos elektrisch betrieben werden, nimmt der Verbrauch auch nicht gerade ab. Es bleibt uns somit nichts anderes übrig als Stromtrassen zu verlegen, die Windstrom aus dem stürmischen Norden herbringen. Und der Widerstand gegen die Leitungen, lässt grüßen.

Auch müssen wir das Thema Energie aus Erdwärme neu aufgreifen. Schade, dass die Geothermie in Altdorf eingedampft wurde. Sie wird aber ein Comeback erleben. Da bin ich sicher.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr

Tilman v. Kuepach

 

Landshuter Mitte
Vorstand:
Prof. Dr. Thomas Küffner, 1. Vors.
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