Marketingstrategie für die Stadt Landshut

erarbeitet durch die Stadtratsfraktion der Landshuter Mitte

Istanbul-Effekt

Mit Stadtmarketing wird zunächst einmal assoziiert, wie es gelingt möglichst viele Käufer und Touristen in die Stadt Landshut hineinzubringen. Augenscheinlich hatte das alte Konstantinopel vor 1453 bereits einen entsprechenden guten Ruf auf die Osmanen, denn sie haben bekanntermaßen die von ihnen 1453 eroberte Stadt nach den griechischem Ausdruck


genannt.

Stadtmarketing ist für die Landshuter Mitte jedoch wesentlich mehr, nämlich:

  1. Steigerung der Attraktivität der Stadt als Wirtschaftsstandort, Wohn-, Einkaufsort und touristische Destination
  2. Aufbau, Korrektur und Pflege eines Stadtimages
  3. Steigerung der finanziellen Handlungsspielräume der Akteure
  4. Ausrichtung der städtischen Leistungen auf die Bürger
  5. Schaffung und Erhöhung eines überregionalen Bekanntheitsgrades
  6. Steigerung der Identifikation der Bürger mit der Stadt
  7. Steigerung der Zufriedenheit der unterschiedlichen Anspruchsgruppen mit der Stadt
  8. Förderung der Zusammenarbeit wichtiger Handlungsträger der Stadt (und der Region)
  9. Erhalt bzw. Steigerung der Einwohnerzahl (Kundenbindung)
  10. Verminderung städtischer Probleme durch ruhenden und/oder fließenden Verkehr, Müllentsorgung, Abwasser etc.
    so auch Claudia Bornemeyer, Erfolgskontrolle im Stadtmarketing (= Marketing, Bd. 20, Köln 2002)

Wir werden uns im Nachstehenden nicht nur mit allen diesen zehn Punkten befassen, sondern, wie oben dargestellt, mit den Möglichkeiten Menschen, Kunden und Gäste in die Stadt Landshut hereinzubekommen, wie wohl selbstredend die Auswirkungen auf die städtische Wohnbevölkerung zeigen. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf Städte wie Venedig oder Barcelona.

Aufbaukorrektur und Pflege eines Stadtimages

Um das Image für Landshut ist es nicht gerade gut bestellt. Ich verweise auf eine Zeitungsüberschrift vom 09.03.2018 „Nur Fressen, Saufen, Hüpfburg?” — gesucht ein Image für Landshut. Grundlage für diesen Zeitungsartikel war eine, wie wir meinen, völlig deplatzierte Aktion zur Eröffnung der neuen Neustadt. Hüpfburgen, eine Fressmeile oder Stelzenläufer, wie auch überdimensionierte Luftballons, locken heute keinen mehr in die Innenstadt. Fatal war in diesem Zusammenhang auch, dass das Publikum und das Angebot der Ladeninhaber sich in den letzten Jahren massiv geändert haben. Darauf wurde genauso nicht eingegangen, wie die

Leitungsfunktion, die das Stadtmarketing, zu erbringen hat.

Wir dürfen in diesem Zusammenhang süffisant anmerken, dass nur die Landshuter Mitte im entsprechenden Stadtratsbeschluss, das Neustadtfest am 17.06.2017 durchzuführen, darauf verwiesen hat, dass allein die Eröffnung der U-BahnStationen der Stadt Mün-chen, wesentlich attraktiver ist als das vorgestellte Konzept. Auch genügt es nicht Flyer in den Nachbargemeinden in 10 ooo-facher Auflage zu verteilen. Wir hatten seinerzeit vorgeschlagen ein Bürgerfest zu veranstalten und in der Mitte der Straße aus Bierbankkombinationen einen riesig langen Tisch zu bauen, um eben alle Gäste, Bürger und Geschäftsinhaber einzuladen. Selbstredend bedarf es hier eines Rand- und Rahmenprogrammes, das leicht hätte umgesetzt werden können. Der bisherige Weltrekord liegt hier bei 155,9 m, den man in der Neustadt als Rekord im Guinness-Buch durchaus hätte toppen können. Die Landshuter Mitte vermisst auch, dass sich die Stadt Landshut in entsprechenden überregionalen Medien nicht einbringt. In den letzten zwei Jahren war Landshut lediglich in einer Beilage zur Süddeutschen Zeitung, nämlich am 01.03.2018, vertreten. Hier warb das Bayer. Golf- und Thermenland mit einer Beilage für die Schönheit und Attraktivität Ostbayerns. Alle anderen Publikationen, sei es Altbayern, sei es Freizeit-Magazin Bayern — Fehlanzeige. Interessant im Übrigen, dass hier ein Slogan gefunden wurde, der durchaus unseren Beifall fände:

„Landshut die Stadt der Frühlingsgefühle”

Diese Slogans für eine Stadt sind allgegenwärtig.

München – Weltstadt mit Herz;
Amsterdam — I am sterdam;
Ruhrgebiet — Der Pott kocht.

Nicht alle derartigen Slogans überzeugen hier. (Landshut- das Ereignis?)

Wir schlagen einen Wettbewerb unter den Bürgern aus, welcher konkrete Slogan für die Stadt Landshut passt. Auch ein solcher Wettbewerb ist Stadtmarketing. Ein derartiges Stadtmarketing muss selbstredend immer wieder in Frage gestellt und gepflegt werden. Nichts ist so beständig wie der Wandel. Das gilt hier in erhöhter Form.

Steigerung der Attraktivität als Wirtschafts-, Wohn-, Einkaufs- und Tourismusstandort

Einkaufen in Landshut

Wie oben dargestellt, ändern sich die Einkaufsgewohnheiten des Publikums ständig. So wird kein Kunde mehr nach Landshut kommen um Grundnahrungsmittel einzukaufen. Selbst in den kleinsten Dörfern sind Aldi, Lidl und Co. präsent.
In die Stadt fährt man also nur dann wenn es wohnortnah einen Artikel nicht gibt oder wenn die Artikel etwas Besonderes sind.
Hier ist die Aktivität der Stadtverwaltung ausdrücklich zu loben, die bei jedem leerstehenden Ladenlokal in der Landshuter Innenstadt tätig wird. Den entsprechenden Hauseigentümern wird jederzeit Hilfe angeboten, ob nicht aus der vorhandenen Kenntnis der Stadt Bewerber vorhanden sind den Laden zu füllen.
Synonym für die Innenstadt ist der Handel.
Wir haben aber auch guten Fachhandel. So kauft die Frau des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten in Landshut ihre Schuhe. Auch die Verlagerung des Auktionshauses Ruef von München nach Landshut ist ein Glücksfall. Hier müssen weitere Anreize gesetzt werden. Nur Cafés in der Altstadt zu eröffnen ist zu wenig.
Nur eine Innenstadt ohne Leerstände kann dem Gast das Gefühl geben, dass die Stadt hoch attraktiv ist und dass es deshalb in der Stadt brummt.
Nichtsdestoweniger verliert die Stadt Landshut aufgrund neuer Wegebeziehung an Attraktivität. Allein die Straßenbaumaßnahmen der B 15 alt im Bereich Essenbach bis Ergoldsbach und der Bau der B 15 neu hat dazu geführt, dass der nördliche Landkreis Landshut sich verstärkt auf Einkaufstouren nach Regensburg und nicht mehr nach Landshut begibt. Hier gilt es zusätzliche Bindungen zu schaffen.
Jegliche Institution, sei es Landratsamt, sei es Grünes Zentrum, sei es ILS, seien es vor allen Dingen Schulen, die notwendigerweise zu gewisser Zeit aufzusuchen sind fördern die Verbundenheit mit einer Stadt.
Landshut hat eine Vielzahl von speziellen Ausbildungsmöglichkeiten, wie z. B. die Fachschule für Maurer und Zimmerer, die aber von der Stadt mehr als stiefmütterlich behandelt wird, obwohl die Stadt selber Gesellschafterin dieser Schule ist.

Touristische Destination

Landshut mit gut 70 000 Einwohnern bietet sich für den modernen Stadttourismus nur dann an, wenn im Zusammenklang mit weiteren Attraktionen, beispielsweise aus dem Landkreis, ein breitgefächertes Angebot für alle, vor allem auch für Kunstbeflissene, geschaffen wird. In diesem Zusammenhang ist es schon erstaunlich, wie wenig Kleinode des Landkreises Landshut vermarktet werden. Denken Sie an die romanische Kapelle in Berghofen, die Glasfenster und Fresken Jenkofen, die Patzinger Linde und und und

Extrem defizitär ist die Museums- und Ausstellungslandschaft in Landshut. Während die durchschnittlichen Besucherzahlen der Bayer. Museen im Jahre 2017 20 000 waren, hat das König-Museum exakt 5 000 zahlende Besucher zu verzeichnen gehabt. (1254 Museen mit mehr als 25 000 000 Besuchern) Der sicherlich interessante, aber ewige Bezug der Sonderausstellungen zur Landshuter Hochzeit möge das Wohlwollen der Landshuter Hochzeiter heraufbeschwören, nicht aber der potentiellen Touristen. Es ist völlig unverständlich, wieso sich die Stadt Landshut nicht an Ausstellungspools beteiligt. Es werden oft Ausstellungen konzipiert, die für eine Stadt viel zu teuer sind und deshalb als Wanderausstellung anderen Städten mit angeboten werden. Dafür ist es aber notwendig, dass natürlich Verbindungen geknüpft oder ausgenutzt werden. Unsere Rückfragen zu uns bekannten Museumsleitern in der Bundesrepublik zeigen, dass kein Interesse seitens der Landshuter Ausstellungsmacher besteht. Wir erinnern in diesem Zusammenhang lediglich an das vorbildliche Beispiel der Stadt Rosenheim mit ihrem Lokschuppen. 219 000 Besucher bei der Ausstellung die „Römer zwischen Alpen und Nordmeer”,

215 000 Neugierige „Zeitreise in das Europa vor 2 500 Jahren”, mehr als 200 000 Zusehern bei den Themen „Tiefsee” 2012, „Regenwald” 2015. Auch Rosenheim nutzt im Übrigen diesen Ausstellungsverleih. Im Mai 2018 wird „Pharao in Kanada” gezeigt.

Max Slevogt ist 1868 in Landshut geboren. Dem Landesmuseum Mainz genügt die Wahlheimat Rheinland-Pfalz um eine Ausstellung 2018 für Max Slevogt zu organisieren.

Vor gut einem Jahr hat der Bayer. Rundfunk in seinem zweiten Programm sogar die industrielle Revolution im 16. Jahrhundert in Landshut beginnen lassen. Landshuter Uhrmachern gelang es erstmalig in dem Turm der Martinskirche ein Hemmrad einzubauen. Während alte Uhren aufgezogen wurden und mehr oder weniger regelmäßig die Zeit ablaufen ließen, hat das in Landshut erstmalig eingebaute Hemmrad dafür gesorgt, dass die Energie des aufgezogenen Uhrwerkes langsam regelmäßig und pünktlich an die Uhr abgegeben wurde. Nürnberger Reisende haben über dieses Wunderwerk in ihrer Heimatstadt sofort Kunde gemacht und Nürnberger Uhrmachermeister haben diese Idee abgekupfert und dann auch industriell eingesetzt. Das Bändigen der Energie macht Industrie erst möglich. Was für ein tolles Ausstellungsthema wäre das zum Beispiel.

Die Stadt Landshut schafft es, sich als Wirtschaftsstandort eigentlich sehr gut zu verkaufen. Die Übernachtungszahlen der Landshuter Hotellerie sind von Montag bis Freitag exzellent, die Zimmer ausgebucht. Samstag und Sonntag herrscht gähnende Leere, da, wie zum Beweis, Tourismus fehl am Platze ist.

Wohnstandort

Ein guter Standort zum Leben ist auch ein guter Standort für Touristen

Landshut muss aber auch als Wohnstandort attraktiv sein. Es ist ein Märchen, dass reiche Münchner die Stadt Landshut entdeckt haben. Aus der offiziellen Statistik der Stadt Landshut ist der Wanderungsgewinn der Stadt Landshut im Jahre 2015 1 783 Einwohner. Allein 1 485 Einwohner kamen nicht aus Deutschland. Im Jahre 2016 war der Wanderungsgewinn 1 137. Allein 1 019 Menschen kamen aus Ländern außerhalb Deutschlands. Im Jahre 2017 war der Wanderungsgewinn 1 233 Einwohner, 753 Einwohner kamen von außerhalb Deutschlands nach Landshut. Natürlich heißt die Stadt Landshut jeden neuen Bürger willkommen. Die Stadt Landshut muss aber auch für betuchte Personen attraktiv sein. Hier lässt die Attraktivität der Wohnstadt Landshut zum Teil noch zu wünschen übrig. So ist der Fluss Isar in München Teil des Stadtlebens, in Landshut fließt die Isar zwar durch die Stadt, ist aber im Wesentlichen nicht in das Leben der Stadt einbezogen, sondern Kloake.

Ein Programm zur Aktivierung des Flusslebens gibt es in Landshut nicht. Da hingegen versucht der Landkreis Dingolfing-Landau in seinem Bereich den gesamten Flusslauf in den nächsten Jahren zu renaturieren, um den Fluss Isar wieder in das Leben hereinzuholen.

Die Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raums in der Stadt Landshut könnte ebenfalls attraktiver sein.

Der Freistaat hat zwar im Bereich des alten Gefängnisses Flüchtlingsunterkünfte errichtet, die Nutzungszeit aber mit 10 Jahren übersichtlich festgeschrieben. Der Bereich um das alte Gefängnis hätte die Chance eine städtische Freiraumfläche zu werden. Die Planungen müssten allerdings jetzt, und nicht nach Ablauf jener 10 Jahre, beginnen. Ebenso die Verhandlungen über den Verkauf.

An der Isar soll das neue Theater am alten Standort wieder errichtet werden. Das daneben brachliegende Gelände der Brauereibesitzerfamilie würde ebenfalls danach schreien zu einer attraktiven Aufenthaltsfläche umgestaltet zu werden.

So hält die Landshuter Mitte die Idee des Bürgerbiergartens für eine so schlechte Idee nicht, wenn sie denn vernünftig durchkonzipiert würde.

Und schließlich die Architektur.

Viele deutsche Städte haben nach dem Krieg reichlich geistlos die zerbombten Lücken mit 0815-Architektur gefüllt. Die Republik ist aber reich geworden. Viele Städte haben den Wert guter Architektur als Tourismus- und Wohnattraktion erkannt. Wir erinnern an die Umgestaltung der Innenstadt in Karlsruhe, die extrem gelungen ist oder beispielsweise auch an die neue Altstadt von Frankfurt. In Landshut sollte unbedingt, nicht aus Bequemlichkeit oder dem Eigentümer zuliebe, banale Architektur, sondern gute Architektur zugelassen werden. Es gibt verschiedene Beispiele, wo auch ein Bauherr erfolgreich mit dem Gestaltungsbeirat gekämpft hat. Umgesetzt wurde aber dann nur eine reichlich misslungene Lösung.

Veranstaltungen

Die Landshuter Mitte begrüßt ausdrücklich die privaten oder semiprivaten Veranstaltungen, wie Afrika-Festival, Stadtspektakel auch in der Neustadt, StadtOpen Air, Altstadtfest, Haferlmarkt, Christkindlmarkt oder Kurzfilmfestival etc. Diese müssen aber von der Stadt (zeitlich) koordiniert werden. Nur wenn ein Festival quasi das nächste jagt, kann die Stadt ordentlich vermarktet werden.

Internetauftritt

Der Auftritt der Stadt Landshut ist in die Jahre gekommen. Die Stadt Landshut ist hier toll gestartet und hat sich auch recht früh die Domain www.landshut.de gesichert. In einigen Blättern kann auch ein Übernachtungsverzeichnis, beispielsweise für Hotels und Ferienwohnungen, gefunden werden. Eingetragen sind dort aber keineswegs alle interessierten Übernachtungsbetriebe, sondern nur die, die zu einem gewissen Zeitpunkt ihr Interesse angemeldet hatten. Der Landkreis hingegen hat auch alle Betriebe, die Interesse haben, ohne zeitliche Begrenzung der Stadt, mit auf seine Website genommen.

Fazit: Wie Sie sehen, besteht erhebliches Potential in der Stadt, das aber dringend verbessert werden muss. Momentan findet Stadtmarketing nur ungenügend statt. Wir verlieren auch täglich an die Mitbewerber.